Oekumenische Treffen: Global
Oekumenische Treffen: Weltregional und national
Oekumenische Treffen: Basisbewegung
UN Konferenzen
NGO Begleitkonferenzen
Bibliographie
House of Studies
Kunstgalerie
Home
   

II. Mächte der Unterdrückung und Macht der Befreiung


3.6. Für Gerechtigkeit und Menschenwürde kämpfen

II. Mächte der Unterdrückung und Macht der Befreiung

8. Gott, als Lebensspender, ist die Quelle aller Macht, selbst wenn diese Macht gegen ihn selbst eingesetzt werden kann (Joh 19,1 1). Gott gibt den Menschen die Möglichkeit, auf das Leben anderer Menschen einzuwirken, und voller Liebe erwartet er, daß sie die Macht gemäß seinem göttlichen Willen ausüben. Macht und Autorität sind damit von Gott gewollt (Röm 13,1-2), um dem Wohl seiner Schöpfung zu dienen.

9. Macht wird in unserer heutigen Zeit in hohem Maße mißbraucht. Trotz reichlich vorhandener Ressourcen wächst das soziale Gefälle. Rassismus wird weltweit verurteilt, dennoch wird aber die Apartheid in Südafrika weiterhin als auf biblischer Grundlage beruhend gerechtfertigt und bedroht sogar die territoriale Integrität der Nachbarstaaten. Diskriminierung, Hinrichtung ohne Gerichtsurteile, politische Unterdrückung, Völkermord und Verletzung sozio-ökonomischer Rechte beweisen die Anwendung von Macht gegen die Menschen. Elitäre Machtgruppen konzentrieren Reichtum zur Kontrolle politischer und wirtschaftlicher Instrumente und Institutionen in ihrer Hand. Zwischen diesen Einrichtungen erwachsen Bündnisse durch ständige wirtschaftliche, militärische und politische Zusammenarbeit und werden durch die verzerrten Lehren nationaler Sicherheit gerechtfertigt. Sie garantieren jedoch nicht die Sicherheit der Menschen; diese werden vielmehr von den Mächtigen durch die Technologie kontrolliert. Gesellschaftliche Beziehungen werden entmenschlicht und Ausdrucksformen des Lebens entstellt.

9.1 Ganz besonders zeigt sich diese Ungerechtigkeit in der heute bestehenden Weltwirtschaftsordnung, in der die Wirtschaftssysteme der nördlichen Hemisphäre Handel, Finanzen, Produktion, Nahrungsmittelverarbeitung und Know-how fest in der Hand haben. Diese Wirtschaftsordnung, die hauptsächlich von transnationalen Konzernen beherrscht wird, ordnet die Wirtschaftssysteme des Südens denen des Nordens unter und macht sie abhängig.

9.2 Zusammengefaßt können wir sagen, daß wir heute Zeugen einer neuen Art von Mißbrauch sind. Wie nie zuvor bilden wirtschaftliche Interessen, militärische Macht, technologisches Wissen und internationale Bündnisse eine Machtkonstellation, die sich gegen die Würde des Lebens der Welt verschworen hat: gegen Jesus Christus selbst. Die Konsequenzen sind furchtbar: unendliches menschliches Leid, Erniedrigung und Tod.

10. Aber lassen wir uns nicht zum Pessimismus verleiten. Die Macht als Gabe Gottes wird benutzt, sich denen zu widersetzen, die die Götzen des Todes verehren. Macht repräsentiert die Fähigkeit des Menschen, an Gottes Schöpfung teilzuhaben. Diese positive Macht finden wir unter jenen, die das wunderbare Geschenk des dreieinigen Gottes gerade in ihrer Machtlosigkeit lieben und hoch schätzen. Zu allen Zeiten sind inmitten der Armen und Benachteiligten tiefe innere Kräfte zum Vorschein gekommen - Kräfte, die Würde bejahen und Gerechtigkeit pflegen. Das nimmt heute zu. Die Menschen streben nach Befreiung in Gerechtigkeit, voller Kreativität und Mut, die Zeichen der Hoffnung in unserer Zeit sind. Die Macht der Mächtigen steht der Macht des Volkes gegenüber: Schwarze in Südafrika, Frauen in den Friedensbewegungen, Minjung (das Volk) in Korea, die armen Bauern in Lateinamerika. In ihrem Kampf kommt die geistliche Stärke derer zum Ausdruck, die von un serem Herrn zu den "Erben seines Reiches" berufen wurden.

11. Im Kampf für Gerechtigkeit und Menschenwürde müssen wir uns den Mächten der Unterdrückung widersetzen. Wir sind aufgerufen, mit denen solidarisch zu sein, die für die Macht des Volkes kämpfen, um durch die legitime Ausübung von Macht eine stärker partizipatorische Gesellschaft zu entwickeln. Daher sollten internationale Netzwerke zur Unterstützung von den Kirchen gestärkt und ausgeweitet werden. Die Kirchen sind aufgerufen, den Menschen zu helfen, sich der Unterdrückung zu widersetzen, die Wurzeln der Ungerechtigkeit zu bekämpfen und auf der Suche nach einer neuen Gesellschaft Risiken einzugehen. Diese Netzwerke helfen den Armen, ihre Kräfte zu sammeln, um den Mächten der Unterdrückung zu widerstehen. Das Leben der Armen, das von den Mächtigen als wertlos angesehen wird, ist in Wirklichkeit unendlich wertvoll, weil es Gottes Geschenk ist.


weiter

weiter


powered by <wdss>

Sitemap | Druckversion | nach oben^


© 2017 by Stiftung Oekumene | eMail: ecunet@t-online.de