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I. Unsere grundlegenden biblischen und theologischen Überzeugungen


3.6. Für Gerechtigkeit und Menschenwürde kämpfen

 

Der Bericht wird von Frau THERESSA HOOVER (Vereinigte Methodistenkirche, USA) vorgelegt. In der Diskussion wird das Engagement der Kirchen im Kampf für die Armen in Frage gestellt (Dr. K. V. VARUGESE, Syrische Mar-Thoma-Kirche von Malabar), die Arbeit der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft von zwei Delegierten aus Nordamerika empfohlen. Kritische Anmerkungen werden zur "militanten" Sprache des Dokuments gemacht (Pfr. HORST BECKER, EKD) und von zwei Delegierten zu der apokalyptischen Bildlichkeit vom "Tier". Die Sprache sei zu extrem, meinte Pfarrer RONALD O'GRADY (Vereinigte Kirchen Christi in Neuseeland). Trotz weiterer Änderungswünsche und der Bitte von Dr. ULRICH DUCHROW (EKD), sprachliche, teilweise übersetzungsbedingte Formulierungen zur Redaktion dem Ausschuß zu übergeben, wurde der Bericht nicht angenommen, sondern an den Zentralausschuß zur Verabschiedung überwiesen. Er folgt in der von diesem verabschiedeten Form.

 

Einleitung

1. Seit der Fünften Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Nairobi 1975) haben die Kirchen und die ökumenische Bewegung erhebliche Fortschritte in ihrem Engagement für die Gerechtigkeit gemacht. Sie haben ihren Kampf um die Menschenwürde der Völker in der ganzen Welt verstärkt und ausgeweitet.

2. Bezeichnenderweise erwachen die armen, die unterdrückten und die diskriminierten Völker überall, um ungerechten Mächten Widerstand zu leisten und ihr Schicksal in ihre eigenen Hände zu nehmen. Das ist ein Zeichen des Lebens.

3. Gleichzeitig versuchen die Mächte der Ungerechtigkeit und der Unterdrükkung ihre Sicherheit absolut zu setzen und sie durch ideologische und religiöse Argumente zu verteidigen.

4. Es entsteht deshalb ein neuer Kontext, in dem die Menschen in verschiedenen Bereichen ihres Lebens um Gerechtigkeit und Menschenrechte kämpfen.

 

I. Unsere grundlegenden biblischen und theologischen Überzeugungen

"In ihm (Christus) wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr habt diese Fülle in ihm, welcher ist das Haupt aller Reiche und Gewalten." (Kol 2,9-10)

5. Wir bekennen unseren Glauben an den dreieinigen Gott, der Leben gibt, erlöst und heiligt. Darum hoffen, beten und suchen wir als Christen und Kirchen nach Zeichen des Reiches Gottes in seiner Schöpfung. Seit Nairobi haben wir uns auf das Ziel einer gerechten, partizipatorischen und überlebensfähigen Gesellschaft zubewegt.

5.1 Wir bekennen Jesus Christus, der am Kreuz gestorben und auferstanden ist, in dem das Universum geschaffen wurde, als den Herrn über alle Rangordnungen und Mächte (Eph 1,9-19). Wir nehmen den Sieg des Lammes voraus (Offb 12,1 1), der das Leiden beseelt und die Märtyrer, wo immer sie sich befinden, mit Mut erfüllt.

5.2 Die Maschinerie der vorherrschenden wirtschaftlichen Ordnung macht jedes Jahr Millionen von Menschen arbeitslos. Wissenschaft und Technik werden mißbraucht, um die Menschen zu unterdrücken und die Welt in einem wahnsinnigen Wettrüsten zu zerstören. Immer mehr Menschen werden gefangengehalten und "verschwinden", werden gefoltert, ihrer Religionsfreiheit beraubt, mit Gewalt verschleppt oder ins Exil getrieben.

5.3 Wir legen diese Entwicklung als Götzendienst aus; sie entspringt der Sünde des Menschen und ist ein Werk satanischer Mächte. Wir befinden uns in einer Situation, in der wir über die normalen prophetischen und fürbittenden Funktionen der Kirche hinausgehen müssen.

5.4 Gott hat die Menschen nach seinem Bilde geschaffen. Die Macht, die Gott mit der Menschheit geteilt hat, umfaßt das Teilen der Verantwortlichkeit für die Welt (Gen 1,26-28). Es gelang den Menschen aber nicht, ihre Verantwortung schöpferisch auszuüben (Gen 3,5). Auf heute übertragen: Die Mächte der Herrschaft über die "Natur" (Erde, Ureinwohner, Arbeiter, Frauen) und der uneingeschränkte Besitz sind Götzenbilder geworden. Diese Kultur der Gewalt hat internationale Sicherheitssysteme hervorgebracht, um den Besitz um jeden Preis zu sichern. Sie ist in den Industriestaaten zu einer fixen Idee geworden und breitet sich auch bei anderen aus.

6. Nicht nur einige fundamentalistische Sekten, sondern auch Leute der Kirche, politische Parteien und Regierungen versuchen, diese Entwicklung als "christlich" zu legitimieren. Diese Gruppen wenden sich gegen die Identifizierung der Kirchen mit den Armen als Teil ihres Zeugnisses vom Reich Gottes.

6.1 Nicht nur was die Kirche tut, ist also in Frage gestellt, sondern ihr Glaube und ihr Wesen selbst. Viele sind hellhörig für die Gefahr geworden, wie im Fall der Apartheidshäresie. Dennoch gibt es auch diejenigen, die sogenannte "Christliche" Argumente vorbringen, um die ausbeuterischen transnationalen Systeme, die unkritische Anwendung von Wissenschaft und Technologie und die Produktion von massenvernichtenden Atomwaffen zu verteidigen. Indem sie sich zu Jesus Christus bekennen, müssen die Kirchen auch ihre Sünden bekennen; sie sollten ihre Teilhaberschaft oder ihre Duldung der todbringenden Prozesse zugeben und bereit sein, sich den Gefahren auszusetzen, die eine Befreiung von solchen Übeln mit sich bringt.

7. Der geistliche Kampf der Kirche muß sie im Kampf der Armen, der Unterdrückten, der Zwangsumgesiedelten und außer Landes Geschickten beteiligt sein lassen. Der Geist ist unter den Kämpfenden. Der Geist entzündet die Liebe und erfüllt mit Mut. Der Geist schenkt schöpferische Zukunftsperspektiven. Die Kirche Christi feiert die Eucharistie als Fleischwerdung der Liebe Gottes und als Quelle aller geistlichen Macht im Volk Gottes (Hes 37,10; Offb 11,11).

7.1 Die Christen sind aufgerufen, jeder Macht zu widerstehen, die Komplizenschaft mit der Sünde fordert. Die Menschen sind ständig versucht, Gewalt zu mißbrauchen. Darum kämpfen die Menschen, durch den Glauben gerechtfertigt, um das Leben als ein Zeichen des kommenden Reiches zu bekräftigen. Die Witwe diskutierte mit dem Richter ausdauernd und standhaft (Lk 18,2-5), so zeigt sie den Christen die Haltung und Ausdauer, die erforderlich sind, um Gerechtigkeit und Menschenwürde zu erreichen. Der Herr der Kirche schenkt eine alles übersteigende Vision und die Geduld der Märtyrer, um den strukturellen Stützen eines sündhaften Systems zu widerstehen, wenn er sagt: "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Mt28,20).

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