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Erklärung zu Frieden und Gerechtigkeit


5.1. Erklärung zu Frieden und Gerechtigkeit

1. Die Menschheit lebt heute im Schatten eines Wettrüstens, das intensiver, und Unrechtssystemen, die weiter verbreitet, gefährlicher und kostspieliger sind, als die Welt je erlebt hat. Nie zuvor war die Menschheit der totalen Selbstzerstörung so nahe wie jetzt. Nie zuvor haben so viele Menschen unter der Herrschaft von Entbehrung und Unterdrückung gelebt.

2. Im Schatten dieser Bedrohung sind wir hier auf der Sechsten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Vancouver, 1983) zusammengekommen, um unseren gemeinsamen Glauben an Jesus Christus, das Leben der Welt, zu verkündigen und der Welt zuzurufen:

  • fürchtet euch nicht, denn Christus hat die Mächte des Bösen überwunden; in ihm ist alles neu geworden
  • fürchtet euch nicht, steht auf für Gerechtigkeit und Frieden um der Liebe Gottes willen
  • vertraut auf die Kraft Christi, der Herr über alles ist; bezeugt ihn durch Wort und Tat, so viel euch dieses Zeugnis auch kosten mag.

 

Die zunehmende Bedrohung für Gerechtigkeit und Frieden

3. Doch fühlen wir uns zur Buße gerufen, wenn wir voller Sorge beobachten, wie schnell die Bedrohungen für Gerechtigkeit und Frieden seit der letzten Vollversammlung zugenommen haben. Das wahnwitzige Rennen in die nukleare Katastrophe hat sich rasend beschleunigt. In unvorstellbar kurzer Zeit haben wir uns von den Schrecken von Hiroshima und Nagasaki und der Gefahr ihrer Wiederholung anderswo auf eine Situation zubewegt, in der die Wahrscheinlichkeit besteht - wenn wir nicht jetzt etwas dagegen unternehmen - daß das Leben auf unserem ganzen Planeten vernichtet wird. Ein Augenblick geistiger Verwirrung, ein falsch kalkuliertes strategisches Abenteuer, ein zufälliges Zusammentreffen von Computerfehlern, eine Fehleinschätzung der Absicht des anderen, ein echtes Versehen jeder dieser Punkte könnte eine nukleare Katastrophe auslösen.

4. Wir sind auf dieser Vollversammlung daran erinnert worden, daß Kernwaffen auch ohne Krieg Opfer fordern: durch die anhaltenden Folgewirkungen von Atombombenabwürfen und Atomversuchen sowie durch die Versenkung von Atommüll.

5. Für viele Millionen von Menschen geht jedoch die unmittelbarste Bedrohung ihres Überlebens nicht von Kernwaffen aus. Örtlich begrenzte, nationale und internationale Konflikte toben in aller Welt. Das Zusammentreffen des Ost-West und des Nord-Süd-Konfliktes führt für unzählige Menschen zu massiver Ungerechtigkeit Unterdrückung, Heimatlosigkeit, systematischer Verletzung der Menschenrechte, U keit, Hunger und Tod. Millionen von Menschen sind Flüchtlinge oder Exilanten, sind vertrieben und staatenlos gemacht worden.

6. Der Ökumenische Rat hat die Kirchen immer wieder auf die wirtschaftlichen Bedrohungen des Friedens aufmerksam gemacht. Auch ohne Krieg sterben täglich Tausende von Menschen in reichen wie in armen Ländern an Hunger und Unterernährung. Menschliches Leid und Elend aufgrund. der vielfältigen Formen von Ungerechtigkeit haben ein Ausmaß erreicht, das in der modernen Geschichte ohnegleichen ist. Es gibt ein Aufleben des Rassismus, der oft selbst eine Kriegsursache ist. Völker sehen sich weiterhin getrieben, als letzten Ausweg zu den Waffen zu greifen, um sich ge2en systemimmanente Gewalt zu verteidigen oder ihr Recht auf Selbstbestimmung oder Unabhängigkeit durchzusetzen.

7. Während täglich der Gegenwert von nahezu zwei Milliarden US-Dollar in aller Welt für Rüstung ausgegeben wird, steckt die Weltwirtschaft in einer anhaltenden und wachsenden Krise, die alle Länder und die internationale Sicherheit bedroht. Das Schreckgespenst des Wirtschaftskrieges, wettbewerbsverzerrende Geldentwertungsmaßnahmen und des finanziellen Ruins ist allgegenwärtig. Diese Krise hat die Ungerechtigkeit, unter der die Dritte Welt leidet, noch vergrößert, weil sie Millionen von Menschen die Befriedigung lebenswichtiger Bedürfnisse versagt. Das Scheitern von UNCTAD VI hat Hoffnungen auf einen sinnvollen Nord-Süd-Dialog zunichte gemacht. Neben vielen anderen Faktoren stellen die Verkettung von Wettrüsten und wirtschaftlicher Entwicklung, die Auswirkungen der steigenden Verteidigungsetats und der zunehmenden wirtschaftlichen Abhängigkeit der Industriestaaten von der Waffenproduktion und die daraus folgende Belastung des internationalen Systems insgesamt ganz besondere Gefahren für Frieden und Gerechtigkeit dar.

 

Kein Frieden ohne Gerechtigkeit

8. Die Völker der Erde brauchen Frieden und Gerechtigkeit. Frieden ist nicht nur Abwesenheit von Krieg. Frieden kann nicht auf ungerechten Strukturen aufgebaut werden. Frieden setzt eine neue Weltordnung voraus, die begründet ist auf Gerechtigkeit für alle und in allen Völkern und auf Respekt für die gottgegebene Menschlichkeit und Würde jedes einzelnen. Frieden, sagt uns der Prophet Jesaja, ist die Frucht der Gerechtigkeit.

9. Die Kirchen sind heute aufgerufen, ihren Glauben neu zu bekennen und Buße zu tun für ihr Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit und der Bedrohung des Friedens. Für die Jünger gibt es keine Alternative zur biblischen Vision vom Frieden, der Gerechtigkeit für alle einschließt, zur Vision der Ganzheit und der Einheit des ganzen Volkes Gottes Dies ist das Gebot der Stunde

 

Atomwaffen und Abrüstung

15. Volle zehn Jahre sind vergangen seit der letzten bedeutenden und später auch ratifizierten Maßnahme zur Rüstungskontrolle. Seit unserer letzten Vollversammlung haben sich die weltweiten Militärausgaben verdreifacht. Im vergangenen Jahr hat die Konfrontation zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt einen neuen Höhepunkt erreicht. Sollte es den gegenwärtigen Genfer Verhandlungen zwischen den USA und der UdSSR nicht gelingen, dies zu verhindern, muß ernsthaft damit gerechnet werden, daß der weltweite Vorrat an Atomwaffen in den nächsten zehn Jahren drastisch ansteigen wird. Die zunehmende technische Verfeinerung, Treffsicherheit und Mobilität neuer Waffengenerationen, die jetzt zur Aufstellung bereit sind oder gegenwärtig entwickelt werden, macht sie gefährlicher und destabilisierender als je zuvor. Das Versagen der Rüstungskontrolle zwischen den Atommächten hat den Nichtverbreitungs-Vertrag praktisch zu einem Instrument schlimmer D iskriminierung werden lassen, die Ausbreitung von Kernwaffen angeregt und hat die Aussichten für den Ausbruch eines Atomkriegs in einigen Spannungsgebieten in der südlichen Hemisphäre erhöht. Solange die Supermächte nicht entscheidend bei der nuklearen Abrüstung weiterkommen, müssen Bemühungen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung dieser Waffen scheitern.

16. Wir rufen die Kirchen, vor allem jene in Ost- und West-Europa und in Nordamerika auf, ihre Bemühungen zu verdoppeln, um ihre Regierungen zu überzeugen, daß sie auf dem Verhandlungsweg zu einer Einigung gelangen und daß sie sich jetzt, bevor es zu spät ist, von den Plänen, in Europa zusätzliche oder neue Atomwaffen zu stationieren, abwenden und daß sie sofort damit beginnen, die vorhandenen Atomstreitkräfte zu verringern und dann völlig abzubauen.

17. Wir rufen die Kirchen ferner dringend auf ihre Bemühungen zu verstärken um der zunehmend schnelleren Stationierung von Atomwaffen und Trägersystemen im Indischen und im Pazifischen Ozean Einhalt zu gebieten, und auf ihre Regierungen nachdrücklich dahingehend einzuwirken, daß sie atomwaffenbestückte Schiffe oder Flugzeuge aus diesen Regionen abziehen oder es ablehnen, sie dort zu stationieren oder zu versorgen.

18. Das Risiko eines Atomkrieges wird durch zunehmenden Verlaß auf konventionelle Waffen verstärkt. Die Arsenale nichtatomarer Massenvernichtungswaffen, die wahllos zerstören, wachsen praktisch ohne jede Kontrolle. Der höchst einträgliche Handel mit konventionellen Waffen hat sich in den letzten fünf Jahren beinahe verdoppelt; ein großer Teil dieses Handels geht in die Entwicklungsländer und in Regionen, in denen der bewaffnete Konflikt schon außer Kontrolle geraten ist. Die Zerstörungskraft dieser Waffen nimmt ständig zu und vermischt die Unterscheidung zwischen konventionellem und atomarem Krieg, und viele Strategien für atomare Abrüstung fordern eine beträchtliche Verstärkung der Produktion und Verbreitung von konventionellen Waffen.

19. Seit der Vollversammlung von Nairobi hat der ÖRK eine Reihe von Konsultationen und Konferenzen durchgeführt und den Kirchen dadurch Gelegenheit gegeben, ihr Verständnis für diese Probleme zu vertiefen. Daraus gingen wichtige Berichte und Empfehlungen an die Kirchen hervor, die zu konkreter Aktion aufrufen. Die vorläufig letzte Veranstaltung dieser Reihe war das Öffentliche Hearing über Atomwaffen und Abrüstung 1981 in Amsterdam. Der veröffentlichte Bericht enthält sorgfältige und gründliche Analysen und formuliert dringende Aufgaben für die Kirchen. Wir fordern die Kirchen erneut dringend auf, diese Berichte aufmerksam zu lesen und ihren Empfehlungen zu folgen.

20. Der Zentralausschuß rief die Kirchen dringend auf, einer Anzahl von Punkten, die im Bericht über das Hearing von Amsterdam entwickelt wurden, besondere Aufmerksamkeit zu schenken, und bat sie um eine klare Stellungnahme. Wir möchten diesen Aufruf bekräftigen und folgende Punkte nochmals aufgreifen:

  1. ein Atomkrieg ist unter keinen Umständen, in keiner Region und durch kein Gesellschaftssystem zu rechtfertigen oder als gerecht zu erklären, denn das Ausmaß der daraus folgenden Zerstörung steht in keinem Verhältnis zu einem Vorteil, den man davon erwarten könnte,
  2. ein Atomkrieg dürfte kaum begrenzt bleiben, deshalb muß jeder Gedanke an einen "begrenzten" Einsatz von Atomwaffen von vornherein als gefährlich verworfen werden,
  3. alle Staaten, die bereits im Besitz von Atomwaffen sind oder in der Lage, sie in absehbarer Zukunft in ihren Besitz zu bringen, sollten bedingungslos auf den Erstschlag" verzichten und damit einen ersten Schritt zur Vertrauensbildung leisten,
  4. das Konzept der Abschreckung, dessen Glaubwürdigkeit von der Möglichkeit des Einsatzes von Atomwaffen abhängt, ist aus moralischen Gründen abzulehnen und nicht geeignet, Frieden und Sicherheit langfristig zu wahren,
  5. die Herstellung und Stationierung von Kernwaffen ebenso wie deren Einsatz sind ein Verbrechen gegen die Menschheit. Deshalb sollten die Herstellung von Kernwaffen sowie die Rüstungsforschung und -entwicklung in allen Ländern vollkommen eingestellt und dieser Stopp sollte so bald als möglich durch ein Abkommen abgesichert werden. Eine solche Haltung kann mithelfen, unsere jeweiligen Länder zu veranlassen, voll und ganz und ungeachtet der vorübergehenden nuklearen Verletzbarkeit auf Besitz und Einsatz solcher Waffen zu verzichten, und Christen und andere dazu ermutigen und sich mit denen zu solidarisieren, die die Mitarbeit an Projekten, die mit Atomwaffen und atomarer Kriegsführung zu tun haben, verweigern,
  6. zur Verhinderung der weiteren Entwicklung der Nuklearwaffentechnologie sollten alle Staaten einen umfassenden Teststopp-Vertrag abschließen und ratifizieren,
  7. alle Schritte, die zur sowohl nuklearen als auch konventionellen Abrüstung führen, sollen als sich gegenseitig ergänzend und verstärkend befürwortet werden, multilaterale Konferenzen, auf denen es zu wirksamen Beschlüssen kommt, bilaterale Verhandlungen, die mit Mut und Entschlossenheit geführt werden, sowie unilaterale Schritte, die zur Entspannung zwischen Staaten und Völkern beitragen und gegenseitiges Vertrauen schaffen.

21. Darüber hinaus rufen wir die Kirchen dringend auf, Druck auf ihre Regierungen auszuüben, damit sie von weiterer Forschung, Produktion und Stationierung von Waffen im Weltraum absehen und die Entwicklung und Produktion aller Massenvernichtungswaffen, die wahllos zerstören, - und zwar einschließlich chemischer und biologischer Waffen - verbieten.

 

Herausforderung für die Kirchen

22. In unseren Bemühungen seit der letzten Vollversammlung, das Mandat des Ökumenischen Rates der Kirchen zu verwirklichen, nämlich "der gemeinsamen Aufgabe der Kirchen im Dienst am Menschen in Not Ausdruck zu verleihen, die die Menschen trennenden Schranken niederzureißen und das Zusammenleben der menschlichen Familie in Gerechtigkeit und Frieden zu fördern", wurden wir durch den Heiligen Geist, der in uns wirkte und den Kirchen Wege zu neuen Initiativen gewiesen hat, ermutigt und gestärkt. In diesem Prozeß der Umkehr haben die Erkenntnisse und Führungsqualitäten der Frauen und jungen Menschen oft eine entscheidende Rolle gespielt. Doch unser gemeinsamer Glaube und unsere heutige Zeit fordern von uns wesentlich mehr, wenn wir gute Haushalter von Gottes Schöpfung sein wollen.

23. Christen können die Gefahren unserer Zeit weder als naturgegeben hinnehmen, noch dürfen sie verzweifeln. Als Gläubige, die sich zu einem Herrn und Helland bekennen, zu Jesus Christus, dem Friedefürst, ist uns die Haushalterschaft über die Hoffnung Gottes für die Zukunft der Schöpfung anvertraut. Wir kennen Gottes Liebe und bekennen einen Herrn der Geschichte, in dem uns das Leben in seiner ganzen Fülle verheißen ist. Die Gnade Gottes ist ewig, und der heilige Geist wirkt unter uns, indem er Liebe weckt, Furcht vertreibt und unsere Vision vom Frieden erneuert, unsere Phantasie belebt und uns durch die Wüste führt - eine Liebe, die uns befreit und eint. Immer mehr Völker der Welt erheben sich und fordern Gerechtigkeit und Frieden. Das sind Zeichen der Hoffnung in unserer Zeit.

24. Wir haben festgestellt, daß unsere Vorstellungen, wie wir Gerechtigkeit und Frieden schaffen können, oft auseinandergehen; ebenso unterschiedlich sind auch die Ausgangspunkte der Diskussion in den Kirchen. Die Ursachen dafür liegen in der großen Vielfalt unserer jeweiligen Geschichte, unserer Traditionen und der Zusammenhänge, in denen wir leben und Zeugnis ablegen. Wir rufen die Kirchen heute auf

  1. ihre Anstrengungen zu verstärken, zu einem gemeinsamen Zeugnis in einer gespaltenen Welt zu finden, sich mit neuer Kraft den Bedrohungen für den Friede und das Überleben entgegenzustellen und sich für Gerechtigkeit und Menschenwürde einzusetzen;
  2. ein lebendiges Zeugnis für Frieden und Gerechtigkeit zu werden durch Gebet, Gottesdienst und konkreten Einsatz;
  3. auf dem Weg zur Einheit weiterzugeben, indem sie häufigere Gelegenheiten für den Austausch in den Kirchen und untereinander schaffen, damit sie mehr über- und voneinander erfahren und einander besser verstehen und damit allen Versuchen, uns zu spalten und voneinander zu trennen widerstehen; und
  4. in den Programmen für die Erziehung zu Frieden und Gerechtigkeit neue Wege einzuschlagen.

25. Nach dem Genfer Abkommen von 1980 ist der Einsatz bestimmter Waffen, die wahllos alles zerstören, völkerrechtlich verboten. Wir sind der Überzeugung, daß Atomwaffen dieser Waffenkategorie zuzuordnen sind. Wir schließen uns der Auffassung der Jury des Öffentlichen Hearings des ÖRK über Atomwaffen und Abrüstung an, die nach kritischer Anhörung der Zeugenaussagen zahlreicher Experten folgendes feststellte:

"Wir glauben, daß für die Kirchen die Zeit gekommen ist, klar und eindeutig zu erklären, daß sowohl die Herstellung und Stationierung als auch der Einsatz von Atomwaffen ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellen und daß ein solches Vorgehen aus ethischer und theologischer Sicht verurteilt werden muß. Die Frage der Atomwaffen ist aufgrund ihrer Tragweite und der drohenden Gefahren, die sie für die Menschheit mit sich bringt, eine Frage christlichen Gehorsams und christlicher Treue zum Evangelium. Wir sind uns bewußt, daß eine solche Erklärung der Kirchen nicht zur Abschaffung von Atomwaffen führen wird. Aber sie wird die Kirchen und ihre Mitglieder zu einer grundlegenden Prüfung ihrer eigenen impliziten oder expliziten Unterstützung einer Politik veranlassen, die indirekt oder direkt auf dem Besitz und dem Einsatz dieser Waffen aufbaut." Wir rufen die Kirchen dringend auf, ihre Regierungen - und zwar vor allem die jenigen Länder, die über Atomwaffen verfügen oder verfügen könnten - nachdrücklich aufzufordern, ein völkerrechtliches Instrument auszuarbeiten und zu ratifizieren, mit dem sowohl der Besitz-- als auch der Einsatz von Atomwaffen als Verbrechen gegen die Menschheit geächtet werden kann. Wir bitten die Kirchen außerdem, ihre Regierungen zu drängen, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen anzuerkennen und die Möglichkeiten für einen gewaltfreien Ersatzdienst zu schaffen.

26. Auf dieser Grundlage und im Geiste des Aufrufs der Fünften Vollversammlung an die Kirchen, "ihre Bereitschaft (zu) betonen, ohne den Schutz von Waffen zu leben", sind wir der Überzeugung, die Christen sollten Zeugnis dafür ablegen, daß sie es ablehnen, sich an einem Konflikt zu beteiligen, bei dem Massenvernichtungswaffen oder andere Waffen, die wahllos alles zerstören, eingesetzt werden.

27. Wir geben diese Erklärung aus tiefem seelsorgerlichem Verantwortungsbewußtsein ab. Es wird für die Christen und Kirchen nicht einfach sein, nach diesen Überzeugungen zu leben, und wir erkennen an, daß die Konsequenzen dieser Überzeugungen für manche sehr viel schwerwiegender sein werden als für andere. Wir äußern diese Überzeugungen nicht, um andere zu verdammen oder zu verurteilen, sondern wir bekennen gleichzeitig unsere Schwäche und rufen die Kirchen und Christen auf, einander in Liebe zu unterstützen, so sind wir miteinander bestrebt, unserer gemeinsamen Berufung gerecht zu werden, unseren einen Herrn Jesus Christus, den Friedefürst, das Leben der Welt, zu verkündigen und ihm zu dienen.

(Bericht aus Vancouver 1983, Offizieller Bericht der Sechsten Vollversammlung des, Ökumenischen Rates der Kirchen, 24. Juli bis 10. August 1983 in Vancouver/Kanada, Herausgegeben von Walter Müller-Römheld, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 1983, 338 S., ISBN 3 87476 212 2, S. 160 - 168)

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