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V. Schlußbemerkungen


3.6. Für Gerechtigkeit und Menschenwürde kämpfen

V. Schlußbemerkungen

23. Christus regiert die Welt. Sein Volk ist berufen, an seinem Kampf gegen die dämonischen Mächte teilzunehmen.

24. Die Kirchen sind aufgerufen, ein unerschütterliches und treues Zeugnis abzulegen. Als Verbündete derjenigen, die sich für Freiheit einsetzen, müssen die Kirchen Zeugnis ablegen vom Reich des Lammes und müssen zu einem untrüglichen Zeichen der Hoffnung in der Welt werden.

 

VI. Empfehlungen an die Kirchen für ökumenisches Handeln

25. Zusammenkommen in einem Bund

a) Die Kirchen sollten auf allen Ebenen - Gemeinden, Diözesen und Synoden, Netzwerken christlicher Gruppen und Basisgemeinschaften - zusammen mit dem ÖRK in einem konziliaren Prozeß zu einem Bund zusammenfinden:

  • um Christus, das Leben der Welt, als den Herrn über die Götzen unserer Zeit zu bekennen, als den guten Hirten, der seinem Volk und der ganzen Schöpfung "Leben und Leben in seiner ganzen Fülle" bringt;
  • um den dämonischen Mächten des Todes zu widerstehen, die dem Rassismus, dem Sexismus, der Klassenherrschaft, der Unterdrückung der Kasten und dem Militarismus innewohnen;
  • um die Mißstände in der Wirtschaftsordnung, der Wissenschaft und der Technologie zu verurteilen, die den Mächten und Gewalten gegen das Volk dienen.

b) Wir sollten uns eindeutig zu diesem Bund für Gerechtigkeit und Frieden verpflichten, wie Delegierte aus Mittelamerika und aus den USA dies hier in Vancouver bereits getan haben, um damit ein Zeichen für den Widerstand gegen jede Form der Unterdrückung zu setzen und um auf dem Weg zu Frieden in Gerechtigkeit einen Schritt vorwärts zu kommen.

c) Wir sollten die häretischen Kräfte verwerfen, die den Namen Christi oder die Bezeichnung "christlich" dazu mißbrauchen, die Mächte des Todes zu rechtfertigen.

26. Spiritualität

a) Die Kirchen sollten erproben, in welchen Formen christliche Spiritualität im Kampf um Gerechtigkeit und Menschenwürde sichtbar wird. Deshalb rufen wir die Kirchen auf, durch Gebet, Bibelstudium und Gottesdienst das geistliche Leben unter den Menschen zu pflegen und zu stärken und Gerechtigkeit und Menschenwürde zu einem festen Bestandteil kirchlichen Lebens zu machen.

b) Die Kirchen und Christen sollten die Werte bejahen, welche die Kulturen der Völker und andere Religionen und Ideologien in das gemeinsame Handeln des Volkes im Kampf um Gerechtigkeit und Menschenwürde einzubringen haben.

27. Solidarität

a) Die Kirchen sollten an der Seite der Armen, Unterdrückten und Benachteiligten stehen, um ihren Bewegungen und Organisationen Macht zu verleihen.

b) Alle Kirchen sollten durch konkretes Handeln ihr Bemühen verstärken, mit denen solidarisch zu sein, die für die Abschaffung ungerechter Machtstrukturen kämpfen, besonders wenn sie Opfer von Folter und anderen Formen der Gewalt geworden sind. Konkretes Handeln könnte geschehen durch

  1. öffentliche Bloßstellung und Anprangerung der Folter und aller anderen Formen von Gewalt, besonders gegen Frauen und Kinder, darunter auch Gewaltanwendung und Vergewaltigung in der Familie
  2. Hilfeleistung für Opfer und ihre Familien;
  3. Beschaffung materieller und rechtlicher Hilfe für Gefangene aus Gewissensgründen;
  4. Gebetsversammlungen zur Fürbitte und andere Ausdrucksformen öffentlicher Anteilnahme;
  5. Zufluchtsstätten für Flüchtlinge, denen die Ausweisung ohne ordentliches Gerichtsverfahren droht;
  6. Einleitung wirksamer internationaler Maßnahmen um Schutz von Flüchtlingen gegen Angriffe und Zurückweisung an der Grenze sowie zur Gewährleistung ordentlicher Verfahren.

c) Die Mitgliedskirchen sollten ihre internationale ökumenische Solidarität bei der Bekämpfung ungerechter Wirtschaftsstrukturen beweisen durch

  1. heologische Reflexion über die Grundsätze von Arbeit und Menschenwürde sowie über neue wirtschaftliche Modelle mit dem Ziel einer gerechten, partizipatorischen und Überlebensfragen Gesellschaft;
  2. intensive Aufklärung und Information ihrer Glieder über das Wesen unterdrückerischer Wirtschaftsstrukturen und über ihre eigene Mitschuld an deren Erhaltung;
  3. Bloßstellung der Rolle transnationaler Konzerne bei der Verfestigung ungerechter Wirtschaftsstrukturen durch Stützung rassistischer Regime, durch Ausbeutung von Frauen als billige Arbeitskräfte und durch die Anwendung von Technologien, die zum Verlust von Arbeitsplätzen führen und Arbeitslosigkeit schaffen;
  4. sorgfältige Überprüfung der Wertpapierbestände der Kirchen und ihrer Investitionen in alternative Entwicklungsprojekte und Handelsstrukturen.

28. Kontaktnetze

  1. Die Kirchen sollten die Bindungen und Kontaktnetze, die zur Solidarität zwischen Nord und Süd und vor allem zwischen den "südlichen" Ländern beitragen, verstärken und erweitern und den Dialog zwischen Kirchen in Ost und West fördern.
  2. Die Kirchen werden aufgerufen, ihre Verpflichtung zu fortgesetztem Dialog und gegenseitigen Besuchen zu bekräftigen, die auf wechselseitige Unterstützung ihres Amtes und ihres solidarischen Wirkens abzielt.
  3. Die Kirchen sollten bei der Förderung von vertrauensbildenden Maßnahmen zwischen Regierungen mithelfen, damit Spannungen abgebaut und günstige Bedingungen für gesunde internationale Beziehungen geschaffen werden können.
  4. Die Kirchen sollen regionale Kommissionen und/oder Programme zur Verwirklichung der Menschenrechte ins Leben rufen. Solche Gremien erweisen sich auf internationaler Ebene als sehr wichtig, um den Kampf der Völker für die Respektierung ihrer Rechte zu unterstützen.
  5. Die Kirchen werden nachdrücklich ersucht, ihr Verständnis über Ausübung von Macht für soziale Gerechtigkeit, der menschlichen Freiheit und der politischen Ethik zu vertiefen. Zu diesem Zweck sollten sie ihre Mitglieder gründlich über die Natur der Mächte und Gewalten aufklären und informieren, die andere unterdrücken, und über ihre eigene Mittäterschaft dabei.

29. Finanzierung

  1. Die Kirchen sind aufgerufen, den 2%-Appell als Instrument der ständigen Solidarität mit den Armen zu unterstützen, ebenso die Volksbewegungen, die für Gerechtigkeit und Menschenwürde eintreten.
  2. In dieser Hinsicht sollte der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft (EDCS), die 1974 vom ÖRK ins Leben gerufen wurde, um Kapitalinvestitionen der Mitgliedskirchen für Entwicklungsprojekte unter den Armen und Machtlosen zu nutzen, Priorität gegeben werden.
  3. Die Kirchen werden dringend ersucht, ihrer Solidarität mit der Arbeit für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit durch ein großzügigeres finanzielles Engagement konkreten Ausdruck zu verleihen.
  4. Die Kirchen werden nachdrücklich gebeten, den PCR-Sonderfonds weiterhin und verstärkt zu unterstützen.

(Bericht aus Vancouver 1983, Offizieller Bericht der Sechsten Vollversammlung des, Ökumenischen Rates der Kirchen, 24. Juli bis 10. August 1983 in Vancouver/Kanada, Herausgegeben von Walter Müller-Römheld, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 1983, 338 S., ISBN 3 87476 212 2, S. 109 - 119)

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