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II. Zehn Gundüberzeugungen (Affirmationen) zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung


Einleitung

In dieser von Ungerechtigkeit, Gewalt und Umweltzerstörung gezeichneten Welt wollen wir Gottes Bund bekräftigen, der offen ist und ein Leben in Ganzheit und heilen Beziehungen verheißt. Wir antworten auf Gottes Bund mit dem Bekenntnis unseres Glaubens an den dreieinigen Gott, der die wirkliche Quelle aller Gemeinschaft ist.

Unser Ja zu diesem Bund bewegt uns heute, die folgenden Grundüberzeugungen, die wir bekräftigen wollen, zu den drängenden Problemen der Gerechtigkeit, des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung zu machen. Diese Grundüberzeugungen sind feste Überzeugungen. Sie sind die Früchte langer ökumenischer Gespräche und Auseinandersetzungen.

Wir formulieren diese grundsätzlichen Überzeugungen als Christen, die wissen, daß viele Menschen, die andere Religionen und Weltanschauungen vertreten, diese Sorgen mit uns teilen und ihre eigene Sicht von Gerechtigkeit, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung haben. Wir suchen den Dialog und die Zusammenarbeit mit ihnen. Wir folgen damit der Vision einer neuen Zukunft, die für den Fortbestand unseres Planeten unerläßlich ist.

Wir können die folgenden Aussagen nur dann richtig fassen, wenn wir gleichzeitig unser Unvermögen und Versagen zugeben und uns erneut auf die Wirklichkeit des Reiches Gottes einlassen. Das bedeutet, daß wir in Gedanken, Worten und Werken den Mächten der Zertrennung und der Zerstörung Widerstand leisten und mit den leidenden Menschen in aktiver Solidarität leben.

Wir bekräftigen, daß alle Ausübung von Macht vor Gott verant­wortet werden muß.

Die Welt gehört Gott. Deshalb sollen Art und Weise, in der menschli­che Macht und Autorität ausgeübt wer­den, der Absicht Gottes mit die­ser Welt dienen und vor den Menschen verantwortet werden, in deren Namen dies geschieht. Diejenigen, die wirtschaftliche, politische, mili­tärische, gesellschaftliche, wissenschaftliche, kul­turelle und juristische Macht ausüben, sollen Haushalter im Namen von Gottes Gerechtigkeit und Frieden sein. In Christus wird die Macht Gottes unübersehbar deutlich. Sie zeigt sich gerade im Leiden als erlösende und mitleidende Liebe, die mit der geschundenen und leidenden Menschheit solidarisch ist . Die so verstandene Macht Gottes befähigt die Menschen , die Bot­schaft der Befreiung, der Liebe und der Hoffnung, die neues Leben gibt, zu verkünden, Widerstand gegen Ungerechtigkeit zu leisten und die Mächte des Todes zu bekämpfen.

Wir bekräftigen, daß die Art und Weise der Ausübung menschlicher Macht und Autorität unter dem Urteil Gottes stehen und vor den Menschen verantwortet werden müssen. Zu ihr gehört das Recht der Menschen auf volle Mitwirkung. In Christus hat Gott den Sinn der Macht als mitleidende Liebe ein für allemal deutlich ge­macht; sie ist stärker als die Macht des Todes.

Wir werden jeder Ausübung von Macht und Autorität widerstehen, die ein Machtmonopol anstrebt und auf diese  Weise Veränderungen hin zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung verhin­dert.

Wir verpflichten uns, die positiv aufbauende Kraft der Basisbewegun­gen zu unterstützen, die für die Men­schenwürde und Befreiung kämp­fen und ein gerechtes und partizipatorisches Regierungs- und Wirt­schaftssy­stem anstreben.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 145, [Teil II, Affirmationen - Nr. I])

 

Wir bekräftigen, daß Gott auf der Seite der Armen steht.

Die Armen werden ausgebeutet und unterdrückt. Ihre Armut ist kein Zufall. Sie ist sehr oft das Ergebnis einer bewußt darauf gerichteten Politik, Reichtum und Macht zu vergrößern. Armut ist ein Skandal und ein Verbre­chen. Es ist Gotteslästerung, zu sagen, sie entspreche dem Willen Gottes. Jesus ist gekommen, damit wir "das Leben in sei­ner ganzen Fülle" (Joh 10,10) haben. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Christus die Mächte entlarvt und daher besiegt, die den Armen ihr Recht auf Leben in seiner Fülle verweigern (Lukas 4,16-21). Gott steht auf der Seite der Armen. Die Herrlichkeit Gottes widerspiegelt sich in dem Armen wider, der ein Leben in seiner Fülle hat (Erzbischof Romero). In den Schreien der Armen hören wir die uns herausfordernde Stimme Gottes.

Jene, die die Gesellschaft als die "Geringsten" behandelt, nennt Jesus seine Geschwister (Matth 25,31-46). Wir sehen zwar die Notwendig­keit diakonischer Dienste und dringender Maßnahmen in Notsituatio­nen ein, doch müssen wir heute erkennen, daß die Bedürfnisse der "Geringsten" nur befriedigt werden können, daß die Struk­turen der Weltwirtschaft grundlegend verändert werden. Wohltätigkeit und Hilfsprojekte allein können weder die Bedürfnisse der ärmsten Milli­arde Menschen befriedigen, deren Mehrheit Frauen und Kinder sind, noch ih­re Menschenwürde schützen. Die Lösung für die Schuldenkrise ist eine gerechte Weltwirtschaftsordnung. Um­schuldungen reichen nicht aus.

Wir bekräftigen, daß Gott auf der Seite der Armen steht. Wir erklä­ren, daß wir als Christen die Pflicht haben, Gottes Handeln im Kampf der Armen für die Befreiung von uns allen zu unterstützen.

Wir werden allen Kräften, politischen Maßnahmen und Institutionen widerstehen, die Armut verursachen und verlängern oder sie als un­vermeidlich und unveränderlich hinnehmen.

Wir verpflichten uns, solche Organisationen oder Bemühungen zu unterstützen, die für die Abschaffung von Ausbeutung und Unterdrückung arbeiten.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 145f, [Teil II, Affirmationen - Nr. II])

 

Wir bekräftigen, daß alle Rassen und Völker gleich­wertig sind.

In Jesus Christus sind alle Menschen, gleich welcher Rasse, Kaste oder ethnischen Herkunft, mit Gott und un­tereinander versöhnt. Rassismus als Ideologie und Dis­kriminierung als Praxis verstoßen gegen die Viel­falt, in der Gott die Welt geschaffen hat. Die Vielfalt ist ein Reichtum, Rassismus und Diskriminierung verletzen die Würde der menschlichen Person. Alle Formen des - individuellen, kollektiven oder systembe­dingten - Rassis­mus sind Sünde und ihre theologische Rechtfertigung Gotteslästerung.

Wer die Menschen- und Völkerrechte dazu benutzt, sogenannte "Gruppenrechte" zu beanspruchen, mißbraucht deren Inhalt und Be­deu­tung. Der Anspruch auf solche "Gruppenrechte" dient der Recht­ferti­gung wirtschaftli­cher Ausbeutung und der Begründung politischer Sonderrechte; er führt zur Entsolidarisierung und nicht in die Befrei­ung.

Im Bunde Gottes gilt: "Alle Geschlechter der Erde gehören mir". Daran wollen wir uns erinnern.

Wir bekräftigen, daß die Menschen jeder Rasse, Kaste und ethnischen Gruppe gleichwertig sind. Im Reichtum der Kulturen und Tradition spiegelt sich die reiche Vielfalt der Schöpfung Gottes.

Wir werden der Verweigerung von Grundrechten für die Menschen widerstehen, die ausgebeuteten und unter­drückten rassischen und ethnischen Gruppen, Kasten und Urvölkern gehören. Wir werden allen Versuchen herrschender Kulturen und Gruppen widerstehen, diesen Menschen ihre kulturelle Identität und ihre uneinge­schränkte Staats­bürgerschaft sowie den gleichberechtigten Zugang zu wirtschaftlicher, politischer und kirchli­cher Macht vorzuenthalten. Wir werden der Unterdrückung und Ausbeutung der am schlimmsten Betroffenen, der Frauen und Kinder, widerstehen.

Deshalb verpflichten wir uns, gegen die Kräfte des Rassismus, der ethnischen Diskriminierung und der Eintei­lung in Kasten zu arbeiten und deren Opfer solidarisch in ihrem Kampf zu unterstützen.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 146f, [Teil II, Affirmationen - Nr. III])

 

Wir bekräftigen, daß Mann und Frau nach dem Bilde Gottes ge­schaffen sind.

Gott schuf Mann und Frau nach seinem Bilde (1. Mose 1,27). Diese Ebenbildlichkeit des Menschen ist die Grundlage für eine le­bendige Beziehung zwischen Frauen und Männern und zur Umgestal­tung der Gesellschaft. Christus hat die Frauen ganz ernst genommen und sie dazu befähigt, in Würde und Vollkommenheit zu leben. Frau­en und Männer sind gemeinsam "die neue Schöpfung in Christus" (2. Kor 5,17). Als solche sollen sie für eine Welt arbeiten , in der jede Dis­kriminierung überwunden ist. Wir erinnern uns des Bundes Gottes und sagen deshalb:

Wir bekräftigen die schöpferische Kraft, die den Frauen geschenkt worden ist, um für das Leben dort einzutre­ten, wo der Tod regiert. In der Gemeinschaft Jesu sind die Frauen gleichberechtigt, ihre Würde wird betont. Auch sie haben von ihm den Auftrag erhalten, die Frohe Botschaft weiterzutragen.

Wir werden jeder patriarchalischen Struktur widerstehen, die  Gewalt gegen Frauen rechtfertigt und ihre Rolle in einer Gesellschaft fest­schreibt, in der die Arbeitskraft und ihre Sexualität ausbeutet werden. In diesem Zu­sammenhang weisen wir besonders auf die Frauen hin - die Armen und/oder Schwarzen, die Dalits, die Frauen der Urvölker, Flüchtlinge, ausländische Arbeitnehmerinnen und Frauen aus Grup­pen, die besonders bedroht oder unterdrückt werden. Wir werden allen Herrschaftsstrukturen widerstehen, die die theologischen und spiri­tuel­len Beiträge von Frauen zurückweisen und ihnen die Mitwirkung an den Entscheidungsprozessen in Kirche und Gesellschaft verweigern.

Deshalb verpflichten wir uns, eine neue Gemeinschaft von Frauen und Männern zu schaffen Wir werden dazu ermutigt durch Beharrlichkeit, mit der Frauen sich für die Bewahrung des Lebens einsetzen..

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 147, [Teil II, Affirmationen - Nr. IV])

 

 

Wir bekräftigen, daß Wahrheit zur Grundlage einer Gemeinschaft freier Menschen gehört.

 

Jesus lebte ein Leben der Wahrhaftigkeit. Weil er Gottes Wahrheit lebte, geriet er mit den Wertvorstellungen und Mächten seiner Gesellschaft in Konflikt. Er verkündete dem Volk seine Botschaft der Wahrheit, er lehrte und predigte in einer einfachen, ver­ständlichen Sprache und in Bildern und Gleichnissen.

 

Daß der Mensch kommunizieren und lernen kann, ist eine der größten Gaben Gottes.  Diese Fähigkeit führt einzelne Menschen in eine Gemeinschaft und verbindet diese miteinander.  Sie führt einzelne Gemeinschaften zur Menschheitsfamilie zusammen.  Im Dienste der Gerechtigkeit, des Friedens und der Bewährung der Schöpfung haben Kommunikation und Erziehung in der Zukunft eine kaum zu überschätzende Bedeu­tung.

 

"Das ist's aber, was ihr tun sollt: Rede einer mit dem anderen Wahrheit, und richtet recht, und schaffet Frieden in euren Toren", sagt der Prophet (Sacharja 8,16).

 

Heute existieren durch die neuen Technologien neue Möglichkeiten für umfassende­re Kommunikation und Bildung für alle.  Gleichzeitig bedroht aber ihr Mißbrauch den eigentlichen Zweck der Kommunikation und der Bildung.  Wir werden uns gegen Un­wissenheit, Analphabetismus, Propaganda, Falschinformation und Lüge wehren.  Wir antworten auf den Ruf Gottes, der die Wahrheit ist, die uns befreit:

 

Wir bekräftigen, daß der Zugang zur Wahrheit und zu Bildung, Information und Kommunikationsmitteln ein menschliches Grundrecht ist.  Alle Menschen haben das Recht auf Bildung; sie haben das Recht, zu sagen, was ihnen wichtig ist, ihre Überzeugungen und Meinungen zu äußern, von anderen angehört zu werden und die Fähigkeit zu erlangen, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden.

 

Wir widerstehen allen Bestrebungen, die die freie Meinungsäußerung verhindern, die die Kommunikationsmedien in den Händen des Staates oder wirtschaftlich mächtiger Monopole konzentrieren, die das Konsumdenken, Rassismus, Kasten­denken, Sexismus, Chauvinismus jeder Art, religiöse Intoleranz und die Neigung zur Gewaltanwendung verbreiten oder dulden und in vielen Ländern ein zuneh­mendes Analphabetentum und eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten hinneh­men.  Dies gilt auch für jeden Bereich in Kirche und Gesellschaft

 

'Wir verpflichten uns, Möglichkeiten zu schaffen, durch die die an den Rand Ge­drängten und die Unterprivilegierten lernen können.  Diejenigen, die zum Schwei­gen gebracht worden sind, sollen sich Gehör verschaffen können.  Wir wollen uns darum bemühen, daß die Wahrheit und das Wort Gottes in den modernen Medien auf eine phantasievolle, prophetische, befreiende und respektvolle Weise verbrei­tet wird.  Andere Religionen müssen wahrheitsgemäß dargestellt werden.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a.a.O., S. 148f, [Teil II, Affirmationen - Nr. V])

 

 

Wir bekräftigen den Frieden Jesu Christi.

Die einzig mögliche Grundlage für einen dauer­haften Frieden ist Ge­rechtigkeit (Jesaja 32,17). Die prophetische Vision von Frieden und Gerechtigkeit lautet:

"Dann schmieden sie
 Pflugscharen aus ihren Schwertern,
und Winzermesser aus ihren Lanzen:
Man zieht nicht mehr das Schwert,
Volk gegen Volk
und übt nicht mehr für den Krieg;
Alle sitzen unter dem eigenen Weinstock
und Feigenbaum,
und niemand schreckt sie auf.
Ja, der Mund des Herrn der Heere hat gesprochen."
(Micha 4,3-4).

Jesus sagte: "Selig sind, die Frieden schaffen" und "Liebt eure Feinde".

Die Kirche ist als die Gemeinschaft des gekreuzigten und auferstande­nen Christus dazu aufgerufen, in der Welt für die Versöhnung einzu­treten. Wir müssen lernen, was es heißt, Frieden zu schaffen: die eige­ne Verwundbar­keit bewußt zu bejahen.

In Jesus Christus hat Gott die Feindschaft zwischen Nationen und Völkern überwunden und will uns auch jetzt Frieden in Gerechtigkeit schenken. Wenn wir diesen Frieden erlangt haben, der unsere Ver­nunft übersteigt, wird es keine Verletzung, keine Feindschaft und keine Sünde mehr geben. Nach biblischem Glauben bedeutet wahrer Friede, daß jeder Mensch in einer Beziehung der sicheren Geborgen­heit zu Gott, zum Nächsten, zur Na­tur und zu sich selbst steht.

Gottes Gerechtigkeit schützt die "Geringsten" (Matthäus 25,31-46) , die, die am verletzlichsten sind (5. Mose 24). Gott ist der Anwalt der Armen (Amos 5).

Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit. Frieden kann nicht durch eine Doktrin der nationalen Sicherheit er­langt oder erhalten werden, weil Frieden unteilbar ist. Wirkliche  Sicherheit muß auf der Gerech­tigkeit für das Volk beruhen, insbesondere für jene, die am meisten be­droht sind und auf Respekt vor der Mitwelt.

Wir bekräftigen Gottes Frieden in seiner ganzen Bedeutung . Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Gerechtigkeit und Frieden zu schaffen und Konflikte durch aktive Gewaltfreiheit zu lösen.

Wir werden jedem Verständnis und System von Sicherheit widerste­hen, das den Einsatz von Massenvernich­tungsmitteln vorsieht oder durch die Drohung mit solchem Einsatz abschrecken will. Wir lehnen militärische Invasionen, Interventionen und Besetzungen ab. Wir wer­den einem Konzept der nationalen Sicherheit widerste­hen, welches das Ziel hat, die Bevölkerung zu beherrschen oder zu unterdrücken, um die Privilegien einiger Weniger zu schützen.

Wir verpflichten uns, unsere persönlichen Beziehungen gewaltfrei zu gestalten. Wir werden darauf hinarbeiten, auf den Krieg als legales Mittel zur Lösung von Konflikten zu verzichten. Wir verlangen von den Regierungen, daß sie eine internationale Rechtsordnung  schaffen, die der Verwirklichung des Friedens dient.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 149f, [Teil II, Affirmationen - Nr. VI])

 

Wir bekräftigen, daß Gott die Schöpfung liebt.

Gott, der Schöpfer, ist der Ursprung und der Er­halter des ganzen Kosmos. Gott liebt die Schöp­fung. Die ge­heimnisvolle Ordnung der Schöpfung, ihr Leben und ihre Lebendigkeit spiegeln die Herrlichkeit ihres Schöp­fers. Gottes Erlö­sungswerk in Jesus Christus versöhnt alle Dinge miteinander und ruft uns auf, am Werk der Heilung durch den Geist Gottes in der ganzen Schöpfung teilzunehmen.

Da die Schöpfung von Gott ist und seine Güte die ganze Schöpfung durchdringt, sollen wir alles Leben heilig­ halten. Heute ist auf der Welt alles Leben bedroht, sowohl für die jetzt lebende als auch für die kom­mende Ge­neration, weil sich die Menschheit als unfähig erweist, die lebendige Erde zu lieben, insbesondere die Reichen und Mächtigen haben die Erde ausgeplündert, als wäre sie für ihre egoistischen Zwec­ke geschaffen. Die Zerstö­rung hat möglicherweise bereits heute ein solches Ausmaß erreicht, daß sie nicht mehr rückgängig gemacht wer­den kann. Dies zwingt uns dringend zum Handeln.

Biblische Aussagen wie "macht euch die Erde untertan" und "herrscht über sie" sind jahrhundertelang zur Rechtfertigung zerstörerischen Verhaltens gegenüber der geschaffenen Ordnung mißbraucht worden. Indem wir diese Vergewaltigung bereuen, nehmen wir die biblische Lehre an, daß die nach Gottes Bild geschaffenen Men­schen als Diener Gottes und als Abbild seiner erschaffenden und erhaltenden Liebe eine besondere Verantwor­tung dafür haben, daß sie für die Schöpfung Sorge tragen und in Harmonie mit ihr leben.

Wir bekräftigen, daß die Welt als Gottes Werk eine eigene Ganzheit besitzt und daß Land, Wasser, Luft, Wäl­der, Berge und alle Geschöpfe, einschließlich der Menschen, in Gottes Augen "gut" sind. Die Bewah­rung der Ganzheit der Schöpfung hat einen sozialen Aspekt, nämlich Frieden auf der Grundlage von Gerechtigkeit, und einen ökologischen Aspekt, nämlich die Regenerierbarkeit und Überlebensfähigkeit natür­licher Ökosysteme.

Wir werden dem Anspruch widerstehen, alle geschaffenen Dinge dienten lediglich dazu, vom Menschen aus­gebeutet zu werden. Wir widersetzen uns darüber hinaus der Vernichtung der Arten um des von Menschen er­zielten Gewinns willen, dem Konsumdenken und der schädlichen Massenproduktion, der Verschmutzung von Land, Luft und Wasser, allen menschlichen Aktivitäten, die jetzt zu wahrschein­lich raschen Klimaveränderun­gen führen, sowie politischen Vorhaben und Plänen, die zur Zerstörung der Schöpfung beitragen.

Deshalb verpflichten wir uns, einerseits als Mitglieder der lebendigen Schöpfungsgemeinschaft , in der wir eine unter vielen Arten sind, an­dererseits als Mitglieder der Gemeinschaft des Bundes in Christus, Mitarbeiter Gottes zu sein mit der moralischen Verantwortung, die Rechte kommender Generationen zu achten und die Ganzheit der Schöpfung zu bewahren; dafür sollen wir uns einsetzen um des eige­nen Wertes willen, die die Schöpfung von Gott hat und damit Gerech­tigkeit geschaffen und erhalten werden kann.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 150f, [Teil II, Affirmationen - Nr. VII])

 

Wir bekräftigen, daß die Erde Gott gehört.

Das Land und die Gewässer bedeuten Leben für die Menschen, ja für alles, was lebt, heute und in Zukunft. Doch Millionen sind ihres Land­es beraubt und leiden unter der Verschmutzung des Wassers; ihre Kultur, ihre Spiri­tualität und ihr Leben werden zerstört. Ureinwohner eines Landes, die im Laufe der Geschichte für das Land ge­sorgt haben, haben besonders darunter ge­litten und leiden weiterhin darunter, daß sie in unterdrückerischer Weise von ihrem Land getrennt worden sind. Dies geschah entweder durch die Politik einer Regierung und mit Ge­walt, durch Raub und Betrug oder durch kulturellen und physischen Völkermord. Diese Menschen warten auf die Erfüllung der Verhei­ßung, daß die Armen das Land besitzen werden. Wenn auf der Erde Gerechtigkeit herrscht, werden die Fluren und alle Bäume des Waldes und alles, was  lebt, jauchzen und frohlocken, (Psalm 96,11-12),

Wir bekräftigen deshalb, daß das Land Gott gehört. Der Mensch soll Boden und Gewässer so nutzen, daß die Erde regelmäßig ihre lebens­spendende Kraft wiederherstellen kann, daß ihre Unversehrtheit ge­schützt wird und daß die Tiere und Lebewesen den Raum zum Leben haben, den sie brauchen.

Wir werden jeder Politik widerstehen, die Land als bloße Ware be­handelt, die Bodenspekulation auf Kosten der Armen treibt, die Gift­müll auf das Land und ins Wasser entlädt, die Ausbeutung, ungleiche Verteilung und Vergiftung des Bodens und seiner Erzeugnisse fördert und die jenen, die unmittelbar von der Nutzung des Lan­des leben, die Verfügungsgewalt darüber vorenthält.

Wir verpflichten uns zur Solidarität mit Urvölkern, die um ihre Kul­tur, ihre Spiritualität und ihre Rechte auf Grund und Boden sowie auf Gewässer kämpfen. Wir verpflichten uns zur Solidarität mit Landar­beitern und ar­men Bauern, die sich für eine Bodenreform einsetzen, sowie mit den Saisonlandarbeitern. Wir verpflichten uns außerdem, den ökologisch notwendigen Lebensraum anderer Lebewesen zu ach­ten.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 151, [Teil II, Affirmationen - Nr. VIII])

 

Wir bekräftigen die Würde und das Engage­ment der jüngeren Generation.

Jesus zeigte eine besondere Wertschätzung für die jüngere Generation. Er sagte, daß der, der nicht wie ein Kind sei, nicht in das Reich Gottes kommen werde (Lk 18,17), Und Paulus sagte dem Timotheus , er solle nieman­dem erlauben, ihn wegen seiner Ju­gend geringzuschätzen (1. Tim 4,12). Dies ist eine Aufforderung an die Ge­sellschaft, Gemein­schaften zu schaffen, in denen die verschie­denen Generationen voller Staunen und Neugier, spielerisch und sen­sibel, im Einklang von Leib und Seele und in der Liebe Gottes auf­wachsen können. Armut, Unge­rechtigkeit und die Folgen Schulden­krise sowie Krieg und Militaris­mus treffen Kinder ganz besonders hart. Sie entwurzeln Familien und zwingen Kinder schon sehr früh, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sor­gen; diese Kinder haben sehr häufig zu wenig zu essen, ihr Überleben steht auf dem Spiel. Millionen von Kin­dern - vor allem Mädchen - leben ohne jede Sicherheit und können ihre Kindheit nicht genießen. Die zuneh­mende Arbeitslosig­keit, insbesondere junger Men­schen, schafft Hoffnungslosigkeit.

Wir bekräftigen den Anspruch der Kinder auf Würde, die sich aus ih­rer besonderen Verletzlichkeit und aus ih­rem Bedürfnis nach Zuwen­dung und Liebe ergibt;

Wir bekräftigen die Tatsache, daß junge Menschen Kreativität und Op­ferbereitschaft in den Aufbau einer neuen Gesellschaft einbringen .Wir erkennen ihr Recht an, bei Entscheidungen, die ihr Leben und ihre Gemeinschaft betreffen, eine prophetische Stimme zu erheben.

Wir bekräftigen, daß die Rechte und Bedürfnisse junger Menschen als entscheidenden Kriterien für die Bestim­mung der Prioritäten in Bil­dung und Entwicklung sind.

Wir werden jeder Politik oder Autorität widerstehen, welche die Rechte der jungen Generation mißachtet, sie mißbraucht und ausbeu­tet. Das Menschenrecht der Kriegsdienstverweigerung muß gewähr­leistet werden.

Wir verpflichten uns, zu unserer Verantwortung zu stehen, die jungen Menschen bei ihrem Streben nach Selbstverwirklichung, Mitwirkung und einem Leben der Hoffnung und des Glaubens zu unterstützen; und wir verpflichten uns Verhältnisse zu schaffen, die es allen Kindern ermöglicht, ein angemessenes Leben zu führen, und unter denen Alt und Jung Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 152f, [Teil II, Affirmationen - Nr. IX])

 

 

Wir bekräftigen, daß die Menschenrechte von Gott gegeben sind.

Gerechtigkeit und Menschenrechte sind untrennbar miteinander ver­bunden. Die Quelle der Menschenrechte ist die Gerechtigkeit Gottes, der sein versklavtes und verelendetes Volk aus der Unterdrückung be­freit (2. Mose 3,7f). Wir erkennen und bereuen, daß wir als Kirchen bei der Verteidigung von Menschenrechten nicht in vor­derster Front waren und Menschenrechtsverletzungen sogar oft theologisch gerecht­fertigt haben.

Der Begriff der Menschenrechte bezieht sich nicht nur auf individuelle Rechte, sondern auch auf kollektive so­ziale, wirtschaftliche und kultu­relle Rechte der Menschen. Das Recht auf Grund und Boden und die Boden­schätze, das Recht auf die eigene ethnische bzw. rassische Identität und das Recht auf Religionsfreiheit und po­litische Freiheit gehören zu den Menschenrechten. Das Recht auf Souveränität und Selbstbestimmung der Völ­ker sowie ihr Recht, sich für ihr eigenes Entwicklungsmodell zu entscheiden und frei von Angst und Fremdbe­stimmung zu leben, ist ein grundlegendes Menschenrecht, das ebenso geachtet werden sollte wie das Recht von Frauen und Kindern auf ein Leben ohne Gewalt in der Familie und in der Gesellschaft.

Wir bekräftigen, daß die Menschenrechte von Gott gegeben sind und daß sie und ihr Schutz entscheidende Voraussetzungen für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden sind. Um Menschenrechte zu schützen und zu vertei­digen, ist eine unabhängige Rechtsprechung notwendig.

Wir werden allen Strukturen und Systemen widerstehen, die Men­schenrechte verletzen und die Einzelnen und Völkern die Möglichkeit nehmen, sich voll zu entfalten; wir widersetzen uns insbesondere der Folter, dem Ver­schwindenlassen von Menschen, Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren sowie der Todesstrafe.

Wir verpflichten uns, solidarisch mit Organisationen und Bewegun­gen zu sein, die sich für die Förderung und den Schutz der Menschen­rechte einsetzen. Wir treten für die Annahme und uneingeschränkte Durchsetzung der Menschenrechtsnormen durch wirksame Instru­mente eintreten.

Wir verpflichten uns ferner, mit allen verfügbaren Mitteln auf die  vollständige soziale Eingliederung von be­hinderten Menschen in unse­re Gemeinschaften hinzuarbeiten. Dies wollen wir dadurch erreichen, daß wir wirt­schaftliche, religiöse, soziale und kulturelle Hemmnisse überwinden (insbesondere den Zugang zu Gebäuden, zu Dokumenta­tion und Information gewährleisten). Ohne die Beseitigung dieser Barrieren haben sie keine Mög­lichkeit zur vollen Mitwirkung in unse­ren Gesellschaften.

(Ökumenische Weltversammlung in Seoul 1990; Arbeitsbuch, a. a. O., S. 153f, [Teil II, Affirmationen - Nr. X])

 

 

 

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