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III. Bundesschluß


Einleitung

1. Mit den vorangehenden Grundüberzeugungen wollen wir von neuem auf Gottes Bund antworten. Die 10 Grundüberzeugungen sind Richtungsangaben für die Verpflichtung der Christen im Dienst an Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Unsere Antwort auf Gottes Bund muß aber über die in den 10 Grundüberzeugungen enthaltene allgemeine Erneuerung unserer Verpflichtungen hinausführen. Sie muß konkret werden aus der erneuerten Treue zum Bund Gottes.

2. Der folgende "Bundesschluss" gibt Beispiele für ein solches Handeln. Dieses Handeln ist heute notwendig, wenn wir zerstörtes und verletztes Leben heilen und die Trennungen in unseren Gemeinschaften überwinden wollen. Diese Beispiele zeigen, wie die Antwort auf Gottes Bund in Handlungen gegenseitiger Verpflichtung innerhalb der Gemeinschaft des Bundes umgesetzt werden können. Der Aufbau solidarischer Beziehungen für die Arbeit an bestimmten Problemen und Anliegen und der Aufbau von Netzwerken der Kommunikation und der gegenseitigen Hilfe haben heute Vorrang. Dies verdeutlicht, daß die Menschen nur gemeinsam auf Gottes Bund antworten können.

3. Die Ursachen und Folgen von Ungerechtigkeit, Gewalt und Naturzerstörung sowie ihre Auswirkungen auf die Menschen hängen eng miteinander zusammen. Die Form unseres Handelns sollte diesem inneren Zusammenhang gerecht werden. Dies ist der eine wichtige Aspekt der Solidarität des Bundes, in die wir eintreten. Der zweite wichtige Aspekt ist folgender: unsere Solidarität im Bund bedeutet, daß wir vor Gott Buße tun und Gehorsam üben und daß wir uns den leidenden Menschen und der leidenden Mitwelt zuwenden; man könnte sagen, daß der eigentliche Maßstab unserer Solidarität im Bund die Art und Weise ist, wie wir unsere Verantwortung vor den Armen, den Unterdrückten und vor der ganzen Schöpfung wahrnehmen.

4. Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sind drei verschiedene Zugänge zu einem Kampf. Wir gehen davon aus, daß in Armut, Unfrieden und der Zerstörung der Natur viele Arten des Leidens deutlich werden. Deren Ursachen sind die übergreifenden Strukturen der Herrschaft: Rassismus, Sexismus, Kasteneinteilung und Klassendenken. Überall dort, wo Leiden ist, sind sie in dieser oder jener Form heimtückisch wirksam. Wenn wir eine gemeinsame Vision der Hoffnung als Grundlage für unsere Bemühungen, diese Probleme zu lösen, entwerfen wollen, dann sollten wir die Vorstellungen der rassisch und kulturell Unterdrückten zu Rate ziehen. Andere Perspektiven wie z.B. die der feministischen Analyse der Ursachen und Wirkungen von Armut, Gewalt und Mißbrauch der Schöpfung müssen wir sehr ernst nehmen und in unsere Überlegungen einbeziehen.

5. Für diesen "Bundesschluß" sind vier Bereiche ausgewählt worden, die als Beispiele dafür dienen sollen, daß heute dringend gemeinsam gehandelt werden muß. Sie enthalten konkrete Verpflichtungen zum Handeln

  • für eine gerechte Wirtschaftsordnung und für die Befreiung von der Last der Auslandsschulden;
  • für eine wirkliche Sicherheit aller Staaten und Menschen und für eine Kultur der Gewaltfreiheit;
  • für einen sorgsamen und bewahrenden Umgang mit allem Leben und für die Erhaltung der Erdatmosphäre;
  • für die Abschaffung von Rassismus und Diskriminierung auf nationaler und internationaler Ebene im Interesse aller Menschen.

6. Diese vier Bereiche sind ausgewählt worden, weil sie weltweite Probleme sind und ihrem Ursprung und ihren Erscheinungsformen nach deutlich miteinander in Zusammenhang stehen. Alle vier Problembereiche erfordern unverzügliches Handeln, wenn zu diesem kritischen Zeitpunkt konkret etwas für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung unternommen werden soll. Unsere Antwort auf Gottes Bund oder die Solidarität, zu der wir uns in dem Bundesschluß verpflichtet haben, darf sich nicht in diesen Bereichen erschöpfen. Kernpunkt unseres gemeinsamen Bemühens muß es sein, uns der Schranken und der Formen der Unterdrückung bewußt zu werden, die uns trennen, und uns für die vollständige Beseitigung von Rassismus und Sexismus in allen unseren Gesellschaften einzusetzen.

7. Der vierfach entfaltete "Bundesschluß" ist eine Verpflichtung, die die Delegierten der Weltversammlung für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung in Solidarität und gemeinsam übernommen haben. Wir haben diese Verpflichtung in der abschließenden liturgischen Feier der Weltversammlung feierlich vor Gott bestätigt. Wir verstehen unseren Bundesschluß als Verpflichtung, die aus Gottes Bund mit uns wächst. Dieser Bundesschluß ist kein Selbstzweck. Er soll vielmehr der Beginn eines Prozesses sein, der über die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Weltversammlung hinaus auf die christlichen Kirchen, Gemeinden und Bewegungen und auf alle Menschen übergreift, die um Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ringen, unabhängig davon, von welchen religiösen oder ideologischen Überzeugungen sie sich leiten lassen. Der Akt des Bundesschlusses ist deshalb als Einladung zu verstehen, sich diesem Netzwerk gegenseitiger Verpflichtungen zum Handeln anzuschließen.

8. In diesem Prozeß der Übernahme und Bestätigung muß das Handeln den jeweiligen verschiedenen Bedingungen angepaßt werden; daraus können sich unter Umständen unterschiedliche Konkretisierungen ergeben. Entscheidend ist der Zusammenhang und die Gegenseitigkeit des Handelns, nicht die Einheitlichkeit der eingeschlagenen Wege. Der Akt des Bundesschlusses, der hier vollzogen worden ist, soll als Beispiel dienen und einen Rahmen darstellen. Während dieser Weltversammlung wurden bereits andere Bundesschlüsse konkreteren Inhalts vollzogen und bei der Abschlußfeier feierlich verkündet.

9. Das entstehende ökumenische Netzwerk der Solidarität muß durch geeignete Strukturen gestützt werden. Diese Weltversammlung wendet sich deshalb an den ÖRK, das Instrumentarium zu schaffen, durch das der Prozeß aufrechterhalten und ausgeweitet werden kann. Der ÖRK selbst ist bei der Ersten Vollversammlung 1948 aus einem Bundesschluß der Kirchen hervorgegangen. Er hat seine Berufung als "verpflichtete Gemeinschaft" definiert. Deshalb enden diese Bundesschlüsse mit einem Aufruf an den ÖRK, sich diesem ökumenischen Prozeß des Bundesschlusses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung auch offiziell bei der bevorstehenden VII. Vollversammlung anzuschließen und dafür zu sorgen, daß er fortgesetzt wird.

In diesem Zusammenhang muß auf die 500-Jahr-Feiern aus Anlaß der Kolonisierung des amerikanischen Kontinents hingewiesen werden. Der ÖRK sollte diese komplexe Frage aufgreifen und eingehend untersuchen, damit auf der nächsten Tagung des Zentralausschusses eine entsprechende Erklärung und möglicherweise ein Bundesschluss zwecks Vorlage vor der Vollversammlung in Canberra ausgearbeitet werden kann.


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