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IV. Taufpraxis


Taufe, Eucharistie und Amt

Taufe

IV. Taufpraxis

A. Die Taufe von Glaubenden und die Taufe von Kindern (Säuglingen)

11. Die Möglichkeit, daß zur neutestamentlichen Zeit auch die Kindertaufe praktiziert worden ist, kann nicht ausgeschlossen werden. Die Taufe nach einem persönlichen Glaubensbekenntnis ist jedoch die in den neutestamentlichen Schriften am eindeutigsten belegte Praxis.

Im Laufe der Geschichte hat sich die Taufpraxis in verschiedenen Formen entwickelt. Einige Kirchen taufen Säuglinge, die von Eltern oder anderen Erziehungsberechtigten gebracht werden, die bereit sind, in und mit der Kirche ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen. Andere Kirchen vollziehen ausschließlich die Taufe von Glaubenden, die in der Lage sind, ein persönliches Glaubensbekenntnis abzulegen. Einige dieser Kirchen befürworten die Darbringung und Segnung von Säuglingen oder Kindern in einem Gottesdienst, der normalerweise auch den Dank für das Geschenk des Kindes und auch die Verpflichtung der Mutter und des Vaters zu christlicher Elternschaft in sich schließt.

Die Kirchen taufen Gläubige, die aus anderen Religionen oder aus dem Unglauben kommen und die den christlichen Glauben annehmen und an katechetischer Unterweisung teilnehmen.

12. Die Gläubigen - wie auch die Säuglingstaufe findet in der Kirche als der Gemeinschaft des Glaubens statt. Wenn jemand, der für sich selbst antworten kann, getauft wird, bildet das persönliche Glaubensbekenntnis einen integralen Bestandteil des Taufgottesdienstes. Wenn ein Säugling getauft wird, wird die persönliche Antwort zu einem späteren Zeitpunkt gegeben werden. In beiden Fällen wird die getaufte Person im Verständnis des Glaubens wachsen müssen. Für diejenigen, die aufgrund ihres eigenen Glaubensbekenntnisses getauft werden, besteht die ständige Aufgabe, die persönliche Antwort im Glauben immer weiter zu vertiefen. Im Falle der Säuglingstaufe wird ein Bekenntnis zu einem späteren Zeitpunkt erwartet, und die christliche Erziehung ist auf das Ablegen eines solchen Bekenntnisses ausgerichtet. Jede Taufe gründet in und bezeugt Christi Treue bis zum Tod. Sie hat ihren Sitz im Leben und Glauben der Kirche und weist hin, durch das Zeugnis der ganzen Kirche, auf die Treue Gottes als dem Grund allen Lebens im Glauben. Bei jeder Taufe bekräftigt die ganze Gemeinde neu ihren Glauben an Gott und verpflichtet sich, für einen Geist des Zeugnisses und Dienstes zu sorgen. Die Taufe sollte daher immer im Rahmen der christlichen Gemeinschaft gefeiert und entfaltet werden.

Kommentar12:

Wenn man die Begriffe "Säuglingstaufe" und "Gläubigentaufe" benutzt, muß man berücksichtigen, daß die eigentliche Unterscheidung zwischen denen liegt, die Menschen jeden Alters taufen, und denen, die nur diejenigen taufen, die ein persönliches Glaubensbekenntnis ablegen können. Der Unterschied zwischen Säuglings- und Gläubigentaufe wird weniger scharf, wenn man anerkennt, daß beide Formen der Taufe Gottes eigene Initiative in Christus verkörpern und eine Antwort des Glaubens, die innerhalb der Gemeinschaft der Glaubenden gegeben wird, zum Ausdruck bringen.
Die Praxis der Säuglingstaufe unterstreicht den korporativen Glauben und den Glauben, den das Kind mit seinen Eltern teilt. Das Kind wird in eine zerbrochene Welt geboren und hat an deren Zerbrochenheit teil. Durch die Taufe werden dem Kind Verheißung und Anspruch des Evangeliums zugesprochen. Der persönliche Glaube des Empfängers der Taufe und die beständige Teilnahme am Leben der Kirche sind wesentlich dafür, daß die Früchte der Taufe voll empfangen werden. Die Praxis der Gläubigentaufe unterstreicht das ausdrückliche Bekenntnis des Menschen, der auf die Gnade Gottes in der Gemeinschaft des Glaubens und durch sie antwortet und der um Taufe nachsucht.
Beide Formen der Taufe erfordern eine ähnliche und verantwortliche Einstellung zur christlichen Unterweisung. Eine Wiederentdeckung der Tatsache, daß christliche Unterweisung ihrem Wesen nach nie abgeschlossen ist, kann die gemeinsame Anerkennung der verschiedenen Initiationsformen erleichtern.
In einigen Kirchen, die die Tradition der Kindertaufe und der Gläubigentaufe miteinander verbinden, haben sich zwei gleichberechtigte Alternativen für den Eintritt in die Kirche als möglich erwiesen: eine Struktur, bei der auf die Kindertaufe später das Glaubensbekenntnis folgt, und eine Struktur, bei der die Gläubigentaufe auf eine Darstellung und Segnung in der Kindheit folgt. Dieses Beispiel lädt andere Kirchen zur Entscheidung darüber ein, ob auch sie nicht in ihren wechselseitigen Beziehungen und in kirchlichen Unionsgesprächen gleichberechtigte Alternativen anerkennen könnten.

13. Die Taufe ist eine unwiederholbare Handlung. Jegliche Praxis, die als "Wiedertaufe" ausgelegt werden könnte, muß vermieden werden.

Kommentar 13:

Kirchen, die auf einer bestimmten Form der Taufe bestanden haben oder die ernste Fragen hatten im Blick auf die Gültigkeit der Sakramente und Ämter anderer Kirchen, haben zeitweilig von denen, die aus anderen kirchlichen Traditionen kamen, verlangt, sich taufen zu lassen, bevor sie in die volle Mitgliedschaft (mit Abendmahlsberechtigung) aufgenommen wurden. Wenn die Kirchen zu einem volleren gegenseitigen Verständnis und zu einem gegenseitigen Aufnehmen kommen und in engere Beziehungen in Zeugnis und Dienst treten, werden sie sich jeglicher Praktiken enthalten wollen, die die sakramentale Integrität der anderen Kirchen in Frage stellen oder die die Unwiederholbarkeit des Taufsakramentes beeinträchtigen könnten.

B. Taufe - Salbung - Konfirmation

14. In Gottes Heilswerk ist das Ostergeheimnis von Christi Tod und Auferstehung untrennbar verbunden mit der Pfingstgabe des Heiligen Geistes. In ähnlicher Weise ist auch die Teilhabe an Christi Tod und Auferstehung untrennbar verbunden mit dem Empfang des Heiligen Geistes. Ihrer vollen Bedeutung nach bezeichnet und bewirkt die Taufe beides.

Christen haben eine unterschiedliche Auffassung davon, worin das Zeichen der Gabe des Geistes sich ausdrückt. Verschiedene Handlungen sind mit dem Geben des Geistes in Verbindung gebracht worden. Für einige ist es der Wasserritus selbst. Für andere ist es die Salbung mit Chrisma und/oder die Handauflegung, die von vielen Kirchen Konfirmation genannt wird. Für wieder andere sind es alle drei, da sie in dem ganzen Ritus den Geist wirken sehen. Alle stimmen darin überein, daß die christliche Taufe mit Wasser und durch den Heiligen Geist geschieht.

Kommentar 14:
  1. Innerhalb einiger Traditionen wird dargelegt, daß, wie die Taufe uns dem gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Christus gleichgestaltet, Christen durch die Salbung die Gabe des Pfingstgeistes vom gesalbten Sohn empfangen.
  2. Wenn die Taufe, als Einverleibung in den Leib Christi, von ihrem innersten Wesen her auf die eucharistische Teilhabe an Leib und Blut Christi hinweist, dann stellt sich die Frage, wie ein weiterer und besonderer Ritus zwischen Taufe und Zulassung zum Abendmahl eingeschoben werden kann. Diejenigen Kirchen, die Kinder taufen, ihnen aber die Teilhabe an der Eucharistie vor einem solchen Ritus verweigern, werden vielleicht darüber nachdenken wollen, ob sie die Konsequenzen der Taufe voll anerkannt und akzeptiert haben.
  3. Die Taufe muß ständig wieder bekräftigt werden. Und die offenkundigste Form einer solchen erneuten Bestätigung ist die Feier der Eucharistie. Die Erneuerung des Taufgelübdes könnte auch z. B. während der jährlichen Feier des Ostergeheimnisses oder während der Taufe anderer stattfinden.

C. Auf dem Weg zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe

15. Kirchen erkennen zunehmend die Taufe anderer Kirchen als die eine Taufe in Christus an, wenn vom Taufkandidaten Jesus als der Herr bekannt worden ist oder, im Falle der Säuglingstaufe, wenn das Bekenntnis von der Kirche (Eltern, Erziehungsberechtigten, Paten und Gemeinde) abgelegt und später durch persönlichen Glauben und persönliches Engagement bekräftigt wurde. Gegenseitige Anerkennung der Taufe wird als ein bedeutsames Zeichen und Mittel angesehen, die in Christus gegebene Einheit in der Taufe zum Ausdruck zu bringen. Wo immer möglich, sollten die Kirchen die gegenseitige Anerkennung ausdrücklich erklären.

16. Um ihre Unterschiede zu überwinden, sollten Anhänger der Gläubigentaufe und diejenigen, die die Kindertaufe üben, bestimmte Aspekte ihrer Praxis neu überdenken. Erstere könnten sich darum bemühen, die Tatsache sichtbarer zum Ausdruck zu bringen, daß Kinder unter den Schutz der Gnade Gottes gestellt sind. Letztere müßten sich gegenüber der Praxis einer offensichtlich unterschiedslosen Taufe schützen und ihre Verantwortung ernster nehmen, getaufte Kinder zu einer bewußten Verpflichtung Christus gegenüber hinzuführen.

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