II. Die Bedeutung der Taufe
Taufe, Eucharistie und Amt
Taufe
II. Die Bedeutung der Taufe
2. Die Taufe ist das Zeichen neuen Lebens durch Jesus Christus. Sie vereint
die Getauften mit Christus und mit seinem Volk. Die Schriften des Neuen Testamentes
und die Liturgie der Kirche entfalten die Bedeutung der Taufe in verschiedenen
Bildern, die den Reichtum Christi und die Gaben seines Heils zum Ausdruck bringen.
Diese Bilder werden gelegentlich in Verbindung gebracht mit dem symbolischen
Gebrauch von Wasser im Alten Testament. Taufe ist Teilhabe an Christi Tod und
Auferstehung (Röm 6,3-5; Kol 2,12); Reinwaschung von Sünde (1 Kor
6,11); eine neue Geburt (Joh 3,5); Erleuchtung durch Christus (Eph 5,14); Anziehen
Christi (Gal 3,27); Erneuerung durch den Geist (Tit 3,5); die Erfahrung der
Rettung aus dem Wasser (1 Petr 3,20-21); Exodus aus der Knechtschaft (1 Kor
10,1-2) und Befreiung zu einer neuen Menschheit, in der die trennenden Mauern
der Geschlechter, der Rassen und des sozialen Standes überwunden werden
(Gal 3,27-28; 1 Kor 12,13). Der Bilder sind viele, aber die Wirklichkeit ist
nur eine.
A. Teilhabe an Tod und Auferstehung Christi
3. Taufe bedeutet Teilhabe an Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Jesus
stieg in den Jordan hinab und wurde in Solidarität mit den Sündern
getauft, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen (Mt 3,15). Diese Taufe führte
Jesus auf den Weg des leidenden Gottesknechtes durch sein Leiden, seinen Tod
und seine Auferstehung (Mk 10,38-40,45). Durch die Taufe werden Christen in
den befreienden Tod Christi eingetaucht, wo ihre Sünden begraben werden,
wo der "alte Adam" mit Christus gekreuzigt und die Macht der Sünde
gebrochen wird. So sind die Getauften nicht länger Sklaven der Sünde,
sondern Freie. Völlig einbezogen in den Tod Christi werden sie mit ihm
begraben und werden hier und jetzt zu einem neuen Leben in der Macht der Auferstehung
Jesu Christi auferweckt in der Gewißheit, daß auch sie schließlich
mit ihm eins sein werden in einer Auferstehung wie der seinen (Röm 6,3-1
1; Kol 2,13; 3, 1; Eph 2,5-6).
B. Bekehrung, Vergebung, Waschung
4. Die Taufe, die Christen zu Teilhabern am Geheimnis von Christi Tod
und Auferstehung macht, schließt Sündenbekenntnis und Bekehrung
des Herzens in sich. Die von Johannes vollzogene Taufe war eine Taufe der
Buße zur Vergebung der Sünden (Mk 1,4). Das Neue Testament unterstreicht
die ethischen Implikationen der Taufe, indem es sie als eine Ablution (Waschung)
darstellt, bei der der Leib mit reinem Wasser gewaschen wird, als eine
Reinigung des Herzens von allen Sünden und als einen Akt der Rechtfertigung
(Hebt 10,22; 1 Petr 3,2 1; Apg 22,16; 1 Kor 6,1 1). Die Getauften
werden so von Christus freigesprochen, reingewaschen und geheiligt und
empfangen als Teil ihrer Tauferfahrung eine neue ethische Orientierung
unter der Führung des Heiligen Geistes.
C. Die Gabe des Geistes
5. Der Heilige Geist ist am Werk im Leben der Menschen vor, bei und
nach ihrer Taufe. Es ist derselbe Geist, der Jesus als den Sohn offenbarte
(Mk 1, 10 - 11) und zu Pfingsten die jünger mit Kraft ausrüstete
und sie vereinte (Apg 2). Gott verleiht jedem Menschen die Salbung und
Verheißung des Heiligen Geistes, kennzeichnet sie mit seinem Siegel
und prägt in ihre Herzen das Angeld ihres Erbes als Söhne und
Töchter Gottes ein. Der Heilige Geist stärkt das Leben des Glaubens
in ihren Herzen bis zur endgültigen Erlösung, wenn ihnen diese
vollkommen zuteil werden wird zum Lobe der Herrlichkeit Gottes (2 Kor 1,21-22;
Eph 1,13-14).
D. Eingliederung in den Leib Christi
6. Vollzogen im Gehorsam gegenüber unserem Herrn, ist die Taufe
ein Zeichen und Siegel unserer gemeinsamen Jüngerschaft. Durch ihre
eigene Taufe werden Christen in die Gemeinschaft mit Christus, miteinander
und mit der Kirche aller Zeiten und Orte geführt. Unsere gemeinsame
Taufe, die uns mit Christus im Glauben vereint, ist so ein grundlegendes
Band der Einheit (Eph 4,3-6). Wir sind ein Volk und berufen, einen
Herrn an jedem Ort und auf der ganzen Welt zu bekennen und ihm zu dienen.
Die Einheit mit Christus, an der wir durch die Taufe teilhaben, hat wichtige
Folgen für die Einheit der Christen "... eine Taufe, ein Gott und
Vater aller..." (Eph 4,4-6). Wenn die Einheit der Taufe in einer, heiligen,
katholischen und apostolischen Kirche realisiert wird, kann ein echtes
christliches Zeugnis abgelegt werden für die heilende und versöhnende
Liebe Gottes. Daher ist unsere eine Taufe in Christus ein Ruf an die Kirchen,
ihre Trennungen zu überwinden und ihre Gemeinschaft sichtbar zu manifestieren.
Kommentar 6:
Die Unfähigkeit der Kirchen, gegenseitig ihre
verschiedenen Taufpraktiken als Teilhabe an der einen Taufe anzuerkennen, und
ihre fortdauernde Trennung trotz gegenseitiger Anerkennung ihrer Taufe machen
das gebrochene Zeugnis der Kirche tragisch sichtbar. Die Bereitschaft der Kirchen
an manchen Orten und zu manchen Zeiten, es zuzulassen, daß Unterschiede
des Geschlechtes, der Rasse oder des sozialen Status den Leib Christi spalten,
hat außerdem die durch die Taufe gegebene wahre Einheit der christlichen
Gemeinschaft (Gal 3,27-28) in Frage gestellt und ihr Zeugnis ernsthaft beeinträchtigt.
Die Notwendigkeit, die in der Taufe begründete Einheit wiederzugewinnen,
gehört zum Zentrum der ökumenischen Aufgabe und ist entscheidend für
die Verwirklichung echter Partnerschaft innerhalb der christlichen Gemeinschaften.
E. Das Zeichen des Gottesreiches
7. Die Taufe führt die Wirklichkeit des neuen Lebens ein, das inmitten
der heutigen Welt gegeben wird. Sie gewährt Teilhabe an der Gemeinschaft
des Heiligen Geistes. Sie ist ein Zeichen des Reiches Gottes und des Lebens
der zukünftigen Welt. Durch die Gaben von Glaube, Hoffnung und Liebe besitzt
die Taufe eine Dynamik, die das gesamte Leben umfaßt, sich auf alle Völker
erstreckt und den Tag vorwegnimmt, an dem jede Zunge bekennen wird, daß
Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes, des Vaters.
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