II. Die Bedeutung der Eucharistie
2. Die Eucharistie ist vor allem das Sakrament der Gabe, die Gott uns in Christus
durch die Kraft des Heiligen Geistes schenkt. Jeder Christ empfängt diese
Gabe des Heils durch die Gemeinschaft am Leib und Blut Christi. Im eucharistischen
Mahl, im Essen und Trinken des Brotes und Weines, gewährt Christus Gemeinschaft
mit sich selbst. Gott selbst handelt, indem er dem Leib Christi Leben schenkt
und jedes Glied erneuert. Gemäß Christi Verheißung empfängt
jedes getaufte Glied des Leibes Christi in der Eucharistie die Zusage der Vergebung
der Sünden (Mt 26,28) und das Unterpfand des ewigen Lebens (Joh 6,51-58).
Obwohl die Eucharistie wesentlich eine einzige in sich geschlossene Handlung
ist, soll sie hier unter folgenden Aspekten behandelt werden: Danksagung an
den Vater, Gedächtnis Christi, Anrufung des Heiligen Geistes, Gemeinschaft
(Communio) der Gläubigen, Mahl des Gottesreiches.
A. Die Eucharistie als Danksagung an den Vater
3. Die Eucharistie, die immer beides, Wort und Sakrament, einschließt,
ist Verkündigung und Feier der Taten Gottes. Sie ist die große
Danksagung an den Vater für alles, was er in Schöpfung, Erlösung
und Heiligung vollbracht hat, für alles, was er heute in der Kirche
und in der Welt trotz der Sünden der Menschen vollbringt, für
alles, was er vollbringen wird, wenn er sein Reich zur Vollendung bringt.
So ist die Eucharistie der Lobpreis (berakah), durch den die Kirche
ihre Dankbarkeit gegenüber Gott für alle seine Wohltaten zum
Ausdruck bringt.
4. Die Eucharistie ist das große Lobopfer, durch das die Kirche für
die ganze Schöpfung spricht. Denn die Welt, die Gott mit sich versöhnt
hat, ist in jeder Eucharistie gegenwärtig: in Brot und Wein, in den Personen
der Gläubigen und in den Gebeten, die sie für sich und für alle
Menschen darbringen. Christus vereint die Gläubigen mit sich und schließt
ihre Gebete in seine eigene Fürsprache ein, so daß die Gläubigen
verwandelt und ihre Gebete angenommen werden. Dieses Lobopfer ist nur möglich
durch Christus, mit ihm und in ihm. Brot und Wein, Früchte der Erde und
menschlicher Arbeit, werden dem Vater im Glauben und in Danksagung dargebracht.
So bezeichnet die Eucharistie, was die Welt werden soll: Gabe und Lobpreis für
den Schöpfer, eine universale Gemeinschaft im Leibe Christi, ein Reich
der Gerechtigkeit, Liebe und des Friedens im Heiligen Geist.
B. Die Eucharistie als Anamnese oder Gedächtnis (Memorial) Christi
5. Die Eucharistie ist das Gedächtnis (Memorial) des gekreuzigten und
auferstandenen Christus, d. h. das lebendige und wirksame Zeichen seines Opfers,
das ein für allemal am Kreuz vollbracht wurde und das weiterhin für
alle Menschheit wirksam ist. Der biblische Gedanke des Gedächtnisses, angewandt
auf die Eucharistie, bezieht sich auf diese gegenwärtige Wirksamkeit des
Werkes Gottes, wenn es von seinem Volk in einer Liturgie gefeiert wird.
6. Christus selbst ist mit allem, was er für uns und für die gesamte
Schöpfung vollbracht hat (in seiner Menschwerdung, seiner Erniedrigung,
seinem Dienst, seiner Unterweisung, seinem Leiden, seinem Opfer, seiner Auferstehung
und Himmelfahrt und indem er den Geist sandte), in dieser "Anamnese" gegenwärtig
und schenkt uns Gemeinschaft mit sich. Die Eucharistie ist auch der Vorgeschmack
seiner Parusie und des vollendeten Gottesreiches.
7. Die "Anamnese", in der Christus durch die freudige Feier seiner Kirche
handelt, ist somit Vergegenwärtigung wie Vorwegnahme. Sie will nicht nur
das, was vergangen ist, und dessen Bedeutung, ins Gedächtnis rufen. Sie
ist die wirksame Verkündigung der Kirche von Gottes großen Taten
und Verheißungen.
8. Vergegenwärtigung und Vorwegnahme kommen in Danksagung und Fürbitte
zum Ausdruck. Indem sie dankbar Gottes große Taten der Erlösung in
Erinnerung ruft, bittet die Kirche ihn, die Früchte dieser Taten jedem
Menschen zu schenken. In Danksagung und Fürbitte ist die Kirche mit dem
Sohn, ihrem großen Hohenpriester und Fürsprecher, vereinigt (Röm
8,34; Hebt 7,25). Die Eucharistie ist das Sakrament des einzigartigen Opfers
Christi, der ewig lebt, um Fürsprache für uns einzulegen. Sie ist
das Gedächtnis all dessen, was Gott für das Heil der Welt getan hat.
Was nach Gottes Willen in der Menschwerdung, in Leben, Tod, Auferstehung und
Himmelfahrt Christi vollbracht wurde, wiederholt er nicht. Diese Ereignisse
sind einmalig und können weder wiederholt noch zeitlich ausgedehnt werden.
In dem Gedächtnis der Eucharistie jedoch bringt die Kirche ihre Fürbitte
in Gemeinschaft mit Christus, unserem großen Hohenpriester, dar.
Kommentar 8:
Im Licht der Bedeutung der Eucharistie als Fürbitte
können vielleicht die Verweise auf die Eucharistie als "Sühnopfer"
in der katholischen Theologie verstanden werden. Damit ist gemeint, daß
es nur eine Sühne gibt, das einmalige Opfer am Kreuz, das in der Eucharistie
vergegenwärtigt und in der Fürbitte Christi und der Kirche für
die ganze Menschheit vor den Vater gebracht wird. Im Licht der biblischen Vorstellung
des Gedächtnisses (Memorial) könnten alle Kirchen die historischen
Kontroversen über das "Opfer" neu überdenken und ihr Verständnis
der Gründe vertiefen, warum die jeweils anderen christlichen Traditionen
diesen Begriff entweder verwendet oder abgelehnt haben.
9. Die "Anamnese" Christi ist die Grundlage und Quelle allen christlichen
Gebets. So verläßt sich unser Gebet auf die unaufhörliche Fürbitte
des auferstandenen Herrn und ist mit ihr verbunden. In der Eucharistie schenkt
uns Christus die Kraft, mit ihm zu leben, mit ihm zu leiden und durch ihn zu
beten als gerechtfertigte Sünder, die freudig und bereitwillig seinen Willen
erfüllen.
10. In Christus bringen wir uns selbst dar als ein lebendiges und heiliges
Opfer in unserem täglichen Leben (Röm 12,1; Petr 2,5); dieser geistliche
Gottesdienst, der Gott gefällt, wird in der Eucharistie genährt, in
der wir in Liebe geheiligt und versöhnt werden, um Diener der Versöhnung
in der Welt zu sein.
11. Vereint mit unserem Herrn und in Gemeinschaft mit allen Heiligen und Märtyrern
werden wir in dem Bund erneuert, der durch das Blut Christi besiegelt worden
ist.
12. Da die "Anamnese" Christi den zentralen Inhalt des gepredigten Wortes
wie des eucharistischen Mahles ausmacht, stärkt eines das andere. Es gehört
zur Feier der Eucharistie, daß sie die Wortverkündigung einschließt.
13. Die Worte und Handlungen Christi bei der Einsetzung der Eucharistie stehen
im Mittelpunkt der Feier; das eucharistische Mahl ist das Sakrament des Leibes
und Blutes Christi, das Sakrament seiner wirklichen Gegenwart (Realpräsenz).
Christus erfüllt sein Versprechen, bis zum Ende der Welt immer bei den
Seinen zu sein, in vielfältiger Weise. Doch die Art der Gegenwart Christi
in der Eucharistie ist einzigartig. Jesus sagte über dem Brot und dem Wein
der Eucharistie: "Dies ist mein Leib . . . dies ist mein Blut." Was Christus
sprach, ist wahr, und diese Wahrheit wird jedesmal erfüllt, wenn die Eucharistie
gefeiert wird. Die Kirche bekennt Christi reale, lebendige und handelnde Gegenwart
in der Eucharistie. Obwohl Christi wirkliche Gegenwart in der Eucharistie nicht
vom Glauben der einzelnen abhängt, stimmen jedoch alle darin überein,
daß Glaube erforderlich ist, um Leib und Blut Christi unterscheiden zu
können.
Kommentar 13:
Viele Kirchen glauben, daß durch diese Worte
Jesu und durch die Kraft des Heiligen Geistes Brot und Wein der Eucharistie
in einer wirklichen, wenngleich geheimnisvollen Weise der Leib und das Blut
des auferstandenen Christus werden, d. h. des lebendigen Christus, der in seiner
ganzen Fülle gegenwärtig ist. Unter den Zeichen von Brot und Wein
ist die tiefste Wirklichkeit das ganze Sein Christi, der zu uns kommt, um uns
zu speisen und unser gesamtes Sein zu verwandeln. Einige andere Kirchen bejahen
zwar eine wirkliche Gegenwart Christi bei der Eucharistie, doch sie verbinden
diese Gegenwart nicht so bestimmt mit den Zeichen von Brot und Wein. Den Kirchen
ist die Entscheidung überlassen, ob dieser Unterschied innerhalb der im
Text selbst formulierten Konvergenz Raum finden kann.
C. Die Eucharistie als Anrufung des Geistes
14. Der Heilige Geist macht im eucharistischen Mahl den gekreuzigten
und auferstandenen Christus für uns wahrhaftig gegenwärtig, indem
er die Verheißung der Einsetzungsworte erfüllt. Die Gegenwart
Christi ist eindeutig das Zentrum der Eucharistie, und die in den Einsetzungsworten
enthaltene Verheißung ist daher grundlegend für die Feier. Es
ist jedoch der Vater, der der primäre Ursprung und die letztliche
Erfüllung des eucharistischen Geschehens ist. Der menschgewordene
Sohn Gottes, durch den und in dem es vollbracht wird, ist dessen lebendiges
Zentrum. Der Heilige Geist ist die unermeßliche Kraft der Liebe,
die dieses Geschehen ermöglicht und es weiterhin wirksam macht. Das
Band zwischen der eucharistischen Feier und dem Geheimnis des dreieinigen
Gottes enthüllt die Rolle des Heiligen Geistes als die des Einen,
der die historischen Worte Jesu gegenwärtig und lebendig werden läßt.
Indem die Kirche durch Jesu Verheißung in den Einsetzungsworten dessen
versichert wird, daß sie erhört werden wird, bittet die Kirche
den Vater um die Gabe des Heiligen Geistes, damit das eucharistische Geschehen
Wirklichkeit werden möge: die wirkliche Gegenwart (Realpräsenz)
des gekreuzigten und auferstandenen Christus, der sein Leben für die
ganze Menschheit gibt.
Kommentar 14:
Damit soll nicht die eucharistische Gegenwart Christi
spiritualisiert, sondern die unauflösbare Einheit zwischen dem Sohn und
dem Geist bekräftigt werden. Diese Einheit macht deutlich, daß die
Eucharistie nicht eine magische, mechanische Handlung ist, sondern ein an den
Vater gerichtetes Gebet, das die völlige Abhängigkeit der Kirche von
ihm betont. Es besteht eine wesenhafte Verbindung zwischen den Einsetzungsworten,
der Verheißung Christi, und der Epiklese, der Anrufung des Heiligen Geistes,
in der Liturgie. Die Epiklese steht in bezug auf die Einsetzungsworte in den
verschiedenen liturgischen Traditionen an unterschiedlicher Stelle. In den ältesten
Liturgien meinte man, der gesamte "Gebetsteil" bewirke die von Christus
verheißene Wirklichkeit. Die Anrufung des Heiligen Geistes geschah sowohl
für die Gemeinschaft als auch für die Elemente von Brot und Wein.
Die Wiedergewinnung eines solchen Verständnisses könnte uns helfen,
unsere Schwierigkeiten hinsichtlich eines besonderen Momentes der Konsekration
zu überwinden.
15. Kraft des lebendigen Wortes Christi und durch die Macht des Heiligen Geistes
werden Brot und Wein die sakramentalen Zeichen des Leibes und Blutes Christi.
Sie bleiben dies für den Zweck der Kommunion.
Kommentar 15:
In der Geschichte der Kirche wurden verschiedene Versuche
unternommen, das Geheimnis der wirklichen und einzigartigen Gegenwart Christi
in der Eucharistie zu verstehen. Einige begnügen sich damit, diese Gegenwart
lediglich zu bejahen, ohne zu versuchen, sie zu erklären. Andere halten
es für notwendig, auf einer Wandlung zu bestehen, bewirkt durch den Heiligen
Geist und die Worte Christi, die zur Folge hat, daß es nicht mehr gewöhnliches
Brot und gewöhnlicher Wein sind, sondern Leib und Blut Christi. Wieder
andere haben eine Erklärung der wirklichen Gegenwart entwickelt, die, obwohl
sie nicht die Bedeutung des Geheimnisses zu erschöpfen beansprucht, es
doch vor entstellenden Interpretationen zu schützen sucht.
16. Die ganze Handlung der Eucharistie hat einen "epikletischen" Charakter,
weil sie vom Wirken des Heiligen Geistes abhängt. Dieser Aspekt der Eucharistie
findet in den Worten der Liturgie unterschiedlichen Ausdruck.
17. Die Kirche, als die Gemeinschaft des Neuen Bundes, ruft zuversichtlich
den Heiligen Geist an, damit sie geheiligt und erneuert, in alle Gerechtigkeit,
Wahrheit und Einheit geführt und befähigt werde, ihre Sendung in der
Welt zu erfüllen.
18. Der Heilige Geist gibt uns durch die Eucharistie einen Vorgeschmack des
Reiches Gottes: Die Kirche empfängt das Leben der neuen Schöpfung
und die Zusicherung der Wiederkehr des Herrn.
D. Die Eucharistie als Gemeinschaft (Communio) der Gläubigen
19. Die eucharistische Gemeinschaft mit dem gegenwärtigen Christus, der
das Leben der Kirche stärkt, ist zugleich auch die Gemeinschaft im Leibe
Christi, der Kirche. Das Teilhaben am einen Brot und gemeinsamen Kelch an einem
bestimmten Ort macht deutlich und bewirkt das Einssein der hier Teilhabenden
mit Christus und mit den anderen mit ihnen Teilhabenden zu allen Zeiten und
an allen Orten. In der Eucharistie findet die Gemeinschaft des Volkes Gottes
ihre volle Darstellung. Eucharistische Feiern haben es immer mit der ganzen
Kirche zu tun, wie auch die ganze Kirche an jeder einzelnen Feier der Eucharistie
beteiligt ist.
Insofern als eine Kirche eine Verkörperung der ganzen Kirche zu sein beansprucht,
wird sie Sorge tragen, ihr eigenes Leben so zu gestalten, daß dabei die
Interessen und Anliegen von Schwesterkirchen ernstgenommen werden.
Kommentar 19:
Von Anfang an wurde die Taufe als das Sakrament verstanden,
durch das die Gläubigen dem Leib Christi eingegliedert und mit dem Heiligen
Geist beschenkt werden. So lange das Recht von getauften Gläubigen und
ihren Pfarrern, in einer Kirche am eucharistischen Mahl teilzunehmen und ihm
vorzustehen, von denen in Frage gestellt wird, die anderen eucharistischen Gemeinden
angehören und diese leiten, ist die Katholizität der Eucharistie weniger
deutlich. In vielen Kirchen wird heute über die Zulassung getaufter Kinder
als Kommunikanten beim Abendmahl diskutiert.
20. Die Eucharistie umgreift alle Aspekte des Lebens. Sie ist ein repräsentativer
Akt der Danksagung und Darbringung für die ganze Welt. Die eucharistische
Feier fordert Versöhnung und Gemeinschaft unter all denen, die als
Brüder und Schwestern in der einen Familie Gottes betrachtet werden,
und sie ist eine ständige Herausforderung bei der Suche nach angemessenen
Beziehungen im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben (Mt 5,23f;
1 Kor 10,16f; 11,20-22; Gal3,28). Alle Arten von Ungerechtigkeit, Rassismus,
Trennung und Mangel an Freiheit werden radikal herausgefordert, wenn wir
miteinander am Leib und Blut Christi teilhaben. Durch die Eucharistie durchdringt
die alles erneuernde Gnade Gottes die menschliche Person und Würde
und stellt sie wieder her. Die Eucharistie nimmt den Gläubigen hinein
in das zentrale Geschehen der Geschichte der Welt. Als Teilnehmer an der
Eucharistie erweisen wir uns daher als unwürdig, wenn wir uns nicht
aktiv an der ständigen Wiederherstellung der Situation der Welt und
der menschlichen Lebensbedingungen beteiligen. Die Eucharistie zeigt uns,
daß unser Verhalten der versöhnenden Gegenwart Gottes in der
menschlichen Geschichte in keiner Weise entspricht: Wir werden ständig
vor das Gericht gestellt durch das Fortbestehen der verschiedensten ungerechten
Beziehungen in unserer Gesellschaft, der mannigfachen Trennungen aufgrund
menschlichen Stolzes, materieller Interessen und Machtpolitik und vor allem
der Hartnäckigkeit ungerechtfertigter konfessioneller Gegensätze
innerhalb des Leibes Christi.
21. Solidarität in der eucharistischen Gemeinschaft des Leibes
Christi und verantwortliche Sorge der Christen füreinander und für
die Welt finden in den Liturgien spezifischen Ausdruck: in der gegenseitigen
Vergebung der Sünden; dem Friedensgruß; der Fürbitte für
alle; dem gemeinsamen Essen und Trinken; dem Bringen der Elemente zu den
Kranken und Gefangenen oder der Feier der Eucharistie mit ihnen. Alle diese
Äußerungen der Liebe in der Eucharistie sind direkt auf das
Selbstzeugnis Christi als Diener bezogen, an dessen Dienen die Christen
selbst teilhaben.
So wie Gott in Christus in die menschliche Situation eingegangen ist,
so ist die eucharistische Liturgie den konkreten und besonderen Situationen
der Menschen nahe. In der Alten Kirche lag im Dienst der Diakone und Diakonissen
eine besondere Verantwortung, diesem Aspekt der Eucharistie Ausdruck zu
verleihen. Der Ort eines solchen Dienstes zwischen dem Abendmahlstisch
und den Bedürftigen bezeugt in rechter Weise die erlösende Gegenwart
Christi in der Welt.
E. Die Eucharistie als Mahl des Gottesreiches
22. Die Eucharistie eröffnet die Schau der göttlichen Herrschaft,
die als letztgültige Erneuerung der Schöpfung verheißen wurde,
und ist deren Vorgeschmack. Zeichen dieser Erneuerung sind in der Welt gegenwärtig,
wo immer die Gnade Gottes manifest ist und Menschen für Gerechtigkeit,
Liebe und Frieden eintreten. Die Eucharistie ist die Feier, bei der die Kirche
Gott für diese Zeichen Dank sagt und freudig das Kommen des Reiches in
Christus feiert und vorwegnimmt (1 Kor 11,26; Mt 26,29).
23. Die Welt, der Erneuerung verheißen ist, ist in der ganzen eucharistischen
Feier gegenwärtig. Die Welt ist in der Danksagung an den Vater gegenwärtig,
wo die Kirche für die ganze Schöpfung spricht; sie ist gegenwärtig
im Gedächtnis (Memorial) Christi, wo die Kirche, vereint mit ihrem Hohenpriester
und Fürsprecher, für die Welt betet; im Gebet um die Gabe des Heiligen
Geistes, wo die Kirche um Heiligung und Neuschöpfung bittet.
24. In der Eucharistie versöhnt, sind die Glieder des Leibes Christi berufen,
Diener der Versöhnung unter den Menschen und Zeugen der Auferstehungsfreude
zu sein. Wie Jesus zu den Zöllnern und Sündern ging und mit ihnen
während seines Dienstes auf Erden Tischgemeinschaft hielt, so werden Christen
in der Eucharistie aufgerufen, mit den Ausgestoßenen solidarisch zu sein
und Zeichen der Liebe Christi zu werden, der für alle gelebt und sich hingegeben
hat und sich nun selbst in der Eucharistie schenkt.
25. Die Feier der Eucharistie selbst ist ein Beispiel der Teilnahme der Kirche
an Gottes Sendung in die Welt. Diese Teilnahme nimmt alltägliche Form an
in der Verkündigung des Evangeliums, im Dienst am Nächsten und in
der glaubwürdigen Präsenz in der Welt.
26. Da die Eucharistie völlig Gabe Gottes ist, bringt sie in die Gegenwart
eine neue Wirklichkeit, die die Christen in das Bild Christi verwandelt und
sie daher zu seinen wirksamen Zeugen macht. Die Eucharistie ist kostbare Speise
für Missionare, Brot und Wein für Pilger auf ihrer apostolischen Reise.
Die eucharistische Gemeinschaft wird bewahrt und gestärkt, um durch Wort
und Tat den Herrn Jesus Christus, der sein Leben für das Heil der Welt
gab, zu bekennen. So wie die eucharistische Versammlung ein Volk wird, indem
sie das Mahl des einen Herrn teilt, muß sie darum besorgt sein, auch diejenigen
zu sammeln, die gegenwärtig außerhalb ihrer sichtbaren Grenze stehen,
weil Christus alle zu seinem Fest geladen hat, für die er gestorben ist.
So lange sich Christen nicht in voller Gemeinschaft um denselben Tisch vereinen
können, um vom selben Brot zu essen und vom selben Kelch zu trinken, wird
ihr missionarisches Zeugnis auf der persönlichen wie gemeinschaftlichen
Ebene geschwächt.
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