Bericht des Weisungsausschusses für Grundsatzfragen I
- wie von der Achten Vollversammlung angenommen -
XII. Vorschlag für ein Forum christlicher Kirchen und ökumenischer
Organisationen
Der Ausschuss hat die Teile in den Berichten des Vorsitzenden und des Generalsekretärs
überprüft, in denen von der Idee eines Forums die Rede war, er hat den Beitrag von
Marion Best studiert, der Diskussion im Plenum aufmerksam zugehört und schriftliche
Beiträge entgegengenommen. Der Ausschuss nahm das Dokument mit dem Titel
"Vorschläge für ein Forum christlicher Kirchen und ökumenischer
Organisationen"
entgegen, das auf den Vorarbeiten einer Konsultation im August 1998 aufbaut, die im Anschluss an
den Exekutivausschuss im Februar 1998 einberufen worden war. Dieser hatte zu "einer
weitergehenden Untersuchung der Fragen" ermutigt "sowie zur Einberufung einer Konsultation, um
den Vorschlag (zum Beispiel eines Forums) zusammen mit ausgewählten Partnern eingehender
zu prüfen". Diese Konsultation vereinigte Vertreter der Konferenz weltweiter christlicher
Gemeinschaften, von REOs und von NCCs, aus internationalen ökumenischen Einrichtungen
und aus Mitgliedskirchen des ÖRK.
Die Achte Vollversammlung ermutigte den Zentralausschuss des ÖRK , den
Konsultationsprozess mit den Verantwortlichen der verschiedenen Organisationen
fortzuführen, die ihr Interesse an dem Forum bekundet haben. Für diesen Prozess
empfahl die Achte Vollversammlung den Bericht, der im August 1998 in Bossey zum Thema
"Vorschläge für ein Forum christlicher Kirchen und ökumenischer
Organisationen"verfasst worden ist (s. Anhang II). Die Achte
Vollversammlung befürwortete die weiteren Bemühungen um die Herstellung eines
wirksameren, tragfähigeren und inklusiveren Netzwerks in den Beziehungen zwischen den
Kirchen und ökumenischen Organisationen und formulierte hierzu folgende Richtlinien
für den Zentralausschuss:
a) Der ÖRK muss der Art und dem Umfang seiner Beziehungen zu anderen Partnern auf dem
Wege zur Gründung des Forums sorgfältige Beachtung schenken.
b) Es ist deutlich
zu unterscheiden zwischen dem Wesen und der Zielsetzung des ÖRK und der des Forums.
c) Die Mitwirkung der Kirchen in einem Forum darf nicht verwechselt werden mit der
ökumenischen Rechenschaftspflicht und der Verpflichtung, die aus der fortdauernden
Mitgliedschaft im ÖRK erwächst.
d) Aus den vielfältigen positiven Erfahrungen mit in einigen Regionen der Welt bereits
bestehenden Foren können vielfältige Erkenntnisse gewonnen werden, und es wird
angeregt, zu sondieren, als wie sinnvoll sich Foren in anderen regionalen oder nationalen Kontexten
erwiesen haben.
e) Es ist anzunehmen, dass ein gewisses Mass an Organisation und Infrastruktur mit begrenzter
Zuständigkeit für die Einberufung, Organisation, finanzielle Ausstattung und
Auswertung des Forums erforderlich sein wird. Für die Schaffung und Aufrechterhaltung
dieser Struktur wären die mitwirkenden Kirchen und Organisation gemeinsam
verantwortlich.
f) Um eine möglichst umfassende Beteiligung zu erreichen, sollte die Einladung an
möglichst viele Interessierte gerichtet werden und auch in Zukunft offen bleiben.
g) Das jeweilige kirchliche Selbstverständnis der Mitgliedskirchen und der Kirchenfamilien des
ÖRK und der weltweiten christlichen Gemeinschaften, wie des Anglikanischen
Konsultationsrates, des Weltbundes der Baptisten, des Lutherischen Weltbundes und des
Reformierten Weltbundes , müssen respektiert werden, wenn das Konzept des Forums
ausgearbeitet wird.
h) Es wird dazu ermutigt, Konsultationen mit der Gemeinsamen Arbeitsgruppe der
römisch-katholischen Kirche und dem ÖRK sowie mit der vorgeschlagenen
Arbeitsgruppe des
ÖRK und der Pfingstkirchen aufzunehmen, die klären sollen, in welcher Form diese
Kirchen in das Forum einbezogen werden können.
i) Es ist zu erwägen, ob regionale oder nationale
Foren eventuell als Alternative oder als Ergänzung zu dem Konzept eines
weltweiten Forums in Frage kommen.
ANHANG II:
VORSCHLÄGE FÜR EIN FORUM CHRISTLICHER KIRCHEN UND ÖKUMENISCHER ORGANISATIONEN
1.Vom 26. bis zum 29. August 1998 fand im Château de Bossey in der Nähe von Genf
eine Konsultation statt, bei der die mögliche Einsetzung eines breit angelegten Forums
christlicher Kirchen und ökumenischer Organisationen erörtert werden sollte. An dieser
Konsultation nahmen 28 Vertreter/innen des ÖRK, weltweiter christlicher Gemeinschaften,
regionaler ökumenischer Organisationen, nationaler Kirchenräte, internationaler
ökumenischer Organisationen und von derzeit nicht in den grossen ökumenischen
Strukturen vertretenen Kirchen teil.
2. Die Versammlung verzeichnete dramatische Veränderungen in der Weltlage sowie wichtige
Entwicklungen in den Beziehungen zwischen Kirchen und ökumenischen Organisationen. Die
Bemühungen zur Förderung der christlichen Einheit haben viele Gesichter, viele Akteure
und finden in vielen Zentren statt. Diese Vielfalt wirft jedoch die dringende Frage auf, wie die
Ganzheit der Bewegung gegen Tendenzen zu Zersplitterung und Konkurrenzdenken geschützt
werden soll, nicht zuletzt in Anbetracht der geringer werdenden Ressourcen. Ein effektiveres,
tragfähigeres und umfassenderes Netzwerk von Beziehungen ist notwendig, um die
unterschiedlichen Auffassungen der Partner in einen für alle Seiten verbindlichen Dialog
einzubringen, so dass alle ihren Weg zu einer klareren Erkenntnis und einem treueren Gehorsam
gegenüber Jesus Christus finden können.
3. Im Laufe der Konsultation kristallisierte sich der folgende Vorschlag über ein Forum
christlicher Kirchen und ökumenischer Organisationen heraus. Er wird hier vorgelegt in der
Hoffnung, daß Kirchen und ökumenische Strukturen darin einen Weg erkennen
mögen, auf dem sie in den unmittelbar bevorstehenden Jahren voranschreiten
können.
Zielsetzungen
4. Das vorgeschlagene Forum ist möglich aufgrund der Einheit, die bereits in Jesus Christus
gegeben ist. Es ist notwendig, weil wir den Glauben an einen versöhnenden Gott teilen, dessen
Kirche sich dazu berufen weiss, Gottes versöhntes und Versöhnung stiftendes Volk zu
werden.
5. Das Forum soll dazu beitragen, reichere und umfassendere Beziehungen aufzubauen. Es wird zwar
nicht für die daran beteiligten Gruppen sprechen können, wird diesen aber die
Gelegenheit bieten, durch die Überschreitung der Grenzen der bestehenden Rahmenstrukturen
neue Gedanken zu fassen, neue Träume zu träumen und neue Visionen zu
entwickeln.
6. Das Forum soll offen gegenüber den Charismata sein, die der Heilige Geist Christi Volk
eingibt. Es soll von Offenheit und einer Haltung der Erwartung geprägt sein und mit einem
Minimum an Regeln und Strukturen auskommen. Eine Bedingung für die Teilnahme ist daher
die Bereitschaft, andere Teilnehmende als aufrichtige Partner eines Dialogs zu akzeptieren, dessen
Ziel
die Stärkung des Gehorsams aller gegenüber Christus ist. 7. Die gelegentlichen
Zusammenkünfte des Forums sollen Möglichkeiten zum Gottesdienst, zur Besprechung
von Angelegenheiten von allgemeinem christlichen Interesse und zur Entwicklung von mehr
Verständnis füreinander bieten. Es ist nicht daran gedacht, daß dabei
Entscheidungen getroffen, Programme initiiert oder Dokumente erarbeitet werden. Allerdings
könnten die Zusammenkünfte des Forums zu neuen Formen der Zusammenarbeit
führen.
Beteiligung
8. Es handelt sich um ein Forum, nicht um eine Organisation, und deshalb muß die Frage der
Beteiligung und nicht die der Mitgliedschaft geklärt werden. 9. Basis des Forums soll
sein, daß sich die Beteiligten zu dem Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen
Schrift als Gott und Heiland bekennen und gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen
sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sie sollten von dem Willen
getragen sein, gemeinsam danach zu streben, Christus gehorsam zu sein.
10. Teilnehmende sollen im wesentlichen Vertreter kirchlicher und ökumenischer
Organisationen von internationalem Rang sein. Es können auch einzelne Personen als
Vertreter
einer bestimmten Mitgliedschaft teilnehmen, die sich zu unserer gemeinsamen Berufung bekennt und
der gegenüber sie ihr rechenschaftspflichtig sind. 11. Römische Katholiken,
Orthodoxe, Evangelikale, Pfingstler und andere Bekenntnisfamilien, die in der Konferenz für
weltweite christliche Gemeinschaften vertreten sind, sollen ebenso zu den vorgesehenen
Teilnehmenden des Forums gehören wie regionale und internationale ökumenische
Organisationen und der Ökumenische Rat der Kirchen. 12. Zu den Kriterien für die
Teilnahme gehört die Bereitschaft zuzuhören, miteinanderzureden und zusammen mit
anderen Mitgliedern der christlichen Familie auf den Ruf Gottes zu antworten. Teilnehmende
müssen sich gegenseitig respektieren und das Selbstverständnis anderer achten.
Größe, Ablauf und Inhalt der Forumstagungen 13. Forum ist ein
Konzept, das viele Ausdrucksmöglichkeiten, darunter auch internationale
Zusammenkünfte, finden wird. Wenn der Gedanke erst Substanz gewonnen hat, könnte
das Forum in unterschiedlicher Form und an verschiedenen Orten tagen. 14. Zur ersten Tagung
sollten je nach Resonanz auf die versandten Einladungen 150 - 250 Teilnehmende
zusammenkommen. Der Ablauf sollte so gestaltet werden, daß eine
größtmögliche Beteiligung gewährleistet ist. Dafür sollten die
teilnehmenden Organisationen bereits vor der Tagung gebeten werden, Themen und Aufgaben
einzubringen.
15. Es soll ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Plenarsitzungen und der Arbeit in
Kleingruppen hergestellt, aber auch Raum für Feiern und Spontaneität bleiben. Fester
Bestandteil der Forumstagungen soll der Gottesdienst sein. In der Tagung soll das Bewußtsein
der historischen Kräfte zum Ausdruck kommen, die die Teilnehmenden
zusammenführen,
und soll Gelegenheit zu eingehenden Gesprächen geschaffen werden. 16. Das eigene
Profil soll der Stil der Tagung sein, der einen freimütigen Meinungsaustausch
ermöglicht, ohne daß die Verfassung von Dokumenten und Empfehlungen im
Mittelpunkt
steht. Es soll keine Abstimmungen geben.
17. Es könnte vorgesehen werden, daß eine Gruppe von "Zuhörern" dabei hilft,
die
Ergebnisse der Zusammenkunft herauszuarbeiten und zu artikulieren. Finanzierung,
Zeitplan
18. Es wird davon ausgegangen, daß die Teilnehmenden selbst für ihre Kosten
aufkommen. Um eine größtmögliche Teilnahme sicherzustellen, wird der
Organisationsausschuß Mittel beschaffen, um gewisse Gemeinkosten zu decken und einen
bescheidenen Betrag für Zuschüsse zur Verfügung zu stellen. 19. Das Forum
könnte schon im Jahr 2001 zu seinem ersten Treffen zusammenkommen.
Organisation
20. Ein kleiner Fortsetzungsausschuß, der sich aus Teilnehmenden an der Konsultation im
August 1998 zusammensetzt, wird als Brücke zwischen dem jetzigen und dem
zukünftigen Stadium des Prozesses dienen. Er könnte auch zum Kern des
Organisationsausschusses für die erste Tagung des Forums werden. 21. Der
Fortsetzungsausschuß wird die Stellungnahmen auf diesen Vorschlag auswerten und die
Modalitäten für eine erste Tagung des Organisationsausschusses etwa im Oktober 1999
ausarbeiten. Dieser Fortsetzungsausschuß wird vor Mitte 1999 tagen müssen. 22.
Eine kleine Gruppe herausragender Persönlichkeiten, die hohes Ansehen bei vielen Christen
und Kirchen geniessen, sollte durch den Fortsetzungsausschuß zusammengestellt werden und
als einladendes Gremium dienen. Diese Gruppe kann, muß aber nicht zu einer Tagung
zusammenkommen. Die Einladungen zur Teilnahme am Forum würde dann mit den
Unterschriften und unter der Schirmherrschaft dieser Personen ergehen. 23. Der
Organisationsausschuß sollte vom Fortsetzungsausschuß in Absprache mit den leitenden
Verantwortlichen derjenigen interessierten Gremien ernannt werden, die ihr Interesse an dem Forum
durch ihre Reaktion auf den ursprünglichen Vorschlag, der nach dieser Tagung verschickt
wird, bekundet haben.
24. Dem Ausschuß sollen Vertreter/innen ökumenischer Partner von internationaler
Bedeutung angehören, die schon jetzt auf verschiedenen Ebenen zusammenarbeiten, aber auch
neue Partner, die die weiterreichende Gemeinschaft vertreten, wie etwa die Pfingstkirchen, die
Internationale Evangelische Allianz, die Organisation der in Afrika entstandenen Kirchen, die
vielleicht
Interesse haben. Es wurde unterstrichen, daß die römisch-katholische Kirche stark
vertreten sein sollte.
25. Zu den Aufgaben des Organisationsausschusses gehören:
a) die Entgegennahme und Auswertung der Reaktionen, die dazu beitragen werden, dieTagesordnung
zusammenzustellen;
b) die Ausarbeitung einer umfassenden Tagesordnung;
c) die Bereitstellung der Logistik und der finanziellen Mittel des Forums; d) die Beschaffung
von Geldmitteln zur Begleichung der Gemeinkosten und zur Vergabe von kleinen Zuschüssen
im Bedarfsfall;
e) die Vorbereitung eines Verfahrens zur Auswertung des ersten Treffens des Forums.
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