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Beziehungen mit Partnern


Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Vision des Ökumenischen Rates der Kirchen

Kapitel 4:
Beziehungen mit Partnern in der ökumenischen Bewegung,
Kirchen außerhalb der ÖRK-Mitgliedschaft und anderen Einrichtungen

4.1Wann immer Menschen im Namen Jesu Christi zusammengeführt werden, ist dies das Werk des Heiligen Geistes. Das bedeutet, daßalle Anstrengungen, die die Einheit der Kirche zum Ziel haben, und alle Initiativen, durch die Christen versuchen, an Gottes Heilshandeln in der Schöpfung teilzuhaben, grundsätzlich und in ihrem Innersten miteinander verbunden sind.

Kirchenräte und Kirchenkonferenzen
4.2Die Beziehungen zwischen dem ÖRK und regionalen, nationalen und örtlichen Kirchenräten (-konferenzen) oder Christenräten (Konferenzen) sind von zentraler Bedeutung für die Lebendigkeit und den Zusammenhalt der ökumenischen Bewegung. Letztere unterscheiden sich voneinander in ihrer verfassungsmäßigen Grundlage und ihrer Zusammensetzung. Während sich die meisten von ihnen, wie der ÖRK, aus Kirchen als Mitgliedern zusammensetzen, schließen einige von ihnen auch andere christliche Organisationen ein (z.B. Bibelgesellschaften, CVJM und CVJF). Mehreren der regionalen ökumenischen Organisationen (REOs) gehören nationale Kirchenräte und nationale Christenräte (NCCs) als Vollmitglieder an. Trotz aller dieser Unterschiede verfolgen jedoch alle dasselbe grundlegende Ziel.

4.3Alle Räte sind unabhängige Einrichtungen, welche strukturellen Links auch immer zwischen ihnen bestehen. Die Verfassung und Satzung des ÖRK erkennen an, daßsolche Einrichtungen auf regionaler und nationaler Ebene wesentliche Partner in den ökumenischen Bemühungen sind. Für Nationale Räte gibt es die Möglichkeit, vom ÖRK als angeschlossene Mitglieder anerkannt zu werden. Daneben haben die Mitgliederorganisationen der Konferenz für Weltmission und Evangelisation durch diese Konferenz strukturelle Beziehungen zum ÖRK. Die Weiterentwicklung und die Wechselbeziehung der ökumenischen Tagesordnung erfordern die Herstellung strukturierterer Beziehungen und eine bessere Koordinierung der Aktivitäten unter den Räten auf allen Ebenen.

4.4Da lokale, nationale, regionale und weltweite Kirchenräte alle Ausdrucksformen der einen ökumenischen Bewegung sind, sollten ihre Beziehungen von einem konziliaren Geist der Gegenseitigkeit und Zusammenarbeit geprägt sein und nicht von Konkurrenz und dem Abstecken von Einflußbereichen. Die weltweite ökumenische Bewegung und ihre organisatorischen Ausdrucksformen bilden ein Netzwerk mit vielen Aktionszentren und stellen nicht eine hierarchisch aufgebaute Struktur mit einander übergeordneten Autoritätsebenen dar. Als ein Teil dieses Netzwerk kommt dem ÖRK eine wesentliche und ganz besondere Rolle zu als "der eine und einzigartige Ort, an dem die Kirchen auf weltweiter Ebene ökumenisch zusammenkommen, um miteinander zu sprechen und gemeinsam zu handeln. Der Rat macht die weltweite Interaktion von Christen deutlich sichtbar und ermöglicht es der ganzen Kirche, Christen in Krisensituationen zur Seite zu stehen" (Zentralausschuß1989). In einer Zeit der fortschreitenden Zersplitterung kommt der Aufgabe des ÖRK, weltweit Zeugnis abzulegen und Initiativen zu koordinieren, möglicherweise noch größere Bedeutung zu. Das heißt aber nicht, daßer eine "übergeordnete" Rolle spielt. Alle Räte - sofern sie dem ökumenischen Ziel der Ganzheit und des Heilens dien sind Gaben des einen Geistes und Ausdrucksformen der einen Gemeinschaft in Christus.

4.51992 nahm der ÖRK-Zentralaussschuß"Leitlinien für Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen regionalen ökumenischen Organisationen und dem Ökumenischen Rat der Kirchen" an. Darin werden die Beziehungen als "partnerschaftlich und auf ihrem gemeinsamen Glauben und ihrer gemeinsamen Verpflichtung [beruhend]" beschrieben. Sie zeichnen sich durch Komplementarität,wechselseitiges Vertrauen und Gegenseitigkeit aus. Während erhebliche Fortschritte beim Informationsaustausch sowie in der gegenseitigen Konsultation und der programmatischen Zusammenarbeit gemacht wurden, legen die Größenordnung der gemeinsamen Aufgaben und Herausforderungen und die dafür verfügbaren stark begrenzten Mittel die Einrichtung gezielterer struktureller Beziehungen nahe, um gemeinsame Planung und Entscheidungsfindung wie auch eine effizientere Arbeitsteilung zu ermöglichen. ÖRK und REOs erkennen beide die NCCs als wesentliche Partner in ihrer Arbeit an, welche Beziehungen zu den Mitgliedskirchen in einem gegebenen Land vermitteln und koordinieren; und dies sollte erkennbar werden bei allen Versuchen, einen umfassenden Rahmen zu entwickeln, der die verschiedenen Kirchenräte und Kirchenkonferenzen in der einen ökumenischen Bewegung miteinander verbindet.

4.6Die ökumenische Bewegung ist gleichzeitig universal und lokal. Das Einssein der weltweiten ökumenischen Bewegung sollte in jedem örtlichen, nationalen oder regionalen Kirchenrat sichtbar sein, wie auch der ÖRK Mittel und Wege finden muß, um in engem Kontakt mit der Wirklichkeit der örtlichen Gemeinschaften zu bleiben, in denen die Christen zum Gottesdienst und Dienen zusammenkommen.

Andere ökumenische Organisationen
4.7Neben seinen Beziehungen zu Kirchenräten von unterschiedlicher geographischer Reichweite steht der ÖRK auch in Beziehung zu einer Vielfalt anderer ökumenischer Organisationen.

4.8Eine wichtige Beziehung ist die zwischen dem ÖRK und den verschiedenen Einrichtungen, die unter der Bezeichnung weltweite christliche Gemeinschaften bekannt sind. Auch diese Beziehungen sollten von wechselseitiger Rechenschaft und Gegenseitigkeit geprägt sein, und der Rat sollte nach Mitteln und Wegen suchen, wie Aufgaben und Ressourcen mit diesen Partnern in der ökumenischen Bewegung geteilt werden können. Solches Miteinanderteilen ist besonders für diejenigen Einrichtungen wichtig, die sich als eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen verstehen und deren Mitglieder mehrheitlich, wenn nicht gar vollzählig, gleichzeitig Mitgliedskirchen des ÖRK sind. Es sollten Wege gesucht werden, um solche Einrichtungen direkter in das organisierte Leben des ÖRK einzubinden. Eine starke Beziehung zwischen dem ÖRK und diesen Einrichtungen kann für beide bereichernd sein; es kann bei letzteren das Gefühl verstärken, daßsie Teil der weltweiten Gemeinschaft von Christen sind , und die Kirchen im Ökumenischen Rat daran erinnern, daßdie ökumenische Verpflichtung aus der Verwurzelung solcher Einrichtungen in einer kirchlichen Tradition Kraft beziehen kann.

4.9Der ÖRK ist als ein Rat von Kirchen verfaßt. Dies ist eine zentrale Aussage über seine Identität. Die Verfassungsurkunden des ÖRK erkennen allerdings an, daßder Rat Arbeitsbeziehungen mit einer breiten Vielfalt von internationalen ökumenischen Organisationen unterhalten muß, von denen einige älter sind als der ÖRK selbst. Dazu gehören Organisationen, die bestimmte Gruppierungen repräsentieren - z.B. junge Menschen, Studenten, Frauen, Laien - sowie Gremien und Einrichtungen mit speziellen Aufgaben oder Dienstfunktionen in Bereichen wie Bildung, Kommunikation, Ressourcenaustausch und Entwicklung. Als Organisationen mit internationaler Reichweite und internationalem Mandat verstehen sich die meisten als Einrichtungen, die in Antwort auf dieselbe ökumenische Berufung, der auch die Mitgliedskirchen des ÖRK folgen, einen besonderen Auftrag erfüllen. Eine stärkere Partnerschaft mit diesen Organisationen wird für das Bemühen des Rates, die eine ökumenische Bewegung zusammenzuhalten, von zentraler Bedeutung sein.

4.10Die Dynamik der ökumenischen Bewegung im letzten Jahrzehnt hat verschiedene christliche Gemeinschaften und Bewegungen entstehen lassen. Die meisten von ihnen haben eine flexible Organisationsstruktur und sind Teil eines größeren Netzwerkes von sozialen oder Basisbewegungen. Sie sind indessen wichtige Partner des ÖRK in seinem Dienst geworden, insbesondere in der Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Viele dieser Bewegungen haben innerhalb der Kirchen und über die Kirchen hinaus eine prophetische Rolle gespielt und neue Wege für das christliche Zeugnis in der größeren Gemeinschaft eröffnet. Der ÖRK sollte sich auch weiterhin als Forum anbieten, auf dem solche Gemeinschaften oder Bewegungen, deren Zielsetzung und Tätigkeit im Einklang mit der Basis und den Zielen und Funktionen des ÖRK stehen, zusammentreffen und zusammenarbeiten können.

Kirchen, die nicht Mitglieder des ÖRK sind
4.11Die römisch-katholische Kirche nimmt seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil aktiv an der ökumenischen Bewegung teil und arbeitet auf viele verschiedene Weisen als geschätzte Partnerin mit dem ÖRK zusammen (besonders in der Gemeinsamen Arbeitsgruppe und in der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung). Die Mitgliedskirchen des ÖRK und die römisch-katholische Kirche sind erfüllt von derselben Sicht von Gottes Heilsplan, alles in Christus zusammenzufassen. Es erscheint uns undenkbar, daßder ÖRK oder die römisch-katholische Kirche ihre ökumenische Berufung weiter verfolgen könnte, ohne mit der anderen Institution zusammenzuarbeiten; und wir hoffen ganz fest, daßbeide danach streben werden, ihre Beziehungen zueinander in den nächsten Jahren zu vertiefen und zu erweitern, um so mehr als die römisch-katholische Kirche in den letzten Jahren Mitglied von immer mehr örtlichen, nationalen und regionalen ökumenischen Gremien geworden ist, denen auch Mitgliedskirchen des ÖRK angehören. Die Mitgliedschaft im ÖRK ist zwar nicht die einzige Art, wie Kirchen auf weltweiter Ebene zusammenarbeiten können, doch sind manche Mitgliedskirchen des ÖRK, die bilaterale Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche pflegen, überzeugt, daßdie Gemeinschaft des ÖRK ärmer ist dadurch, daßdie römisch-katholische Kirche diesem Kreis von Kirchen nicht angehört.

4.12Die Gemeinschaft im ÖRK ist eingeschränkt durch die Abwesenheit anderer Kirchen, die - aus verschiedenen Gründen - die Mitgliedschaft nicht gesucht haben. Beispielsweise bestehen nicht zu rechtfertigende Barrieren zwischen dem ÖRK und einigen evangelikalen Gemeinschaften und Pfingstkirchen, weil auf beiden Seiten Tendenzen bestehen, einander zu karikieren oder mit Gleichgültigkeit zu behandeln. Einige dieser Barrieren werden allmählich durch die Entwicklung kontinuierlicher Kontakte zwischen dem ÖRK und anderen Einrichtungen, wie z.B. der Internationalen Evangelischen Allianz, abgebaut. Diese Bemühungen sollten unterstützt werden durch die Entwicklung neuer Formen von Beziehungen - auf allen Ebenen - zwischen ÖRK-Mitgliedskirchen, anderen Kirchen und ökumenischen Organisationen.

Andere Organisationen und Gruppen
4.13Die untrennbare Verbindung des Wirkens für die Einheit der Kirche und des Wirkens für die Heilung und Ganzheit der ganzen Schöpfung wird den Rat oft zum Dialog und zur Zusammenarbeit mit Menschen, Gruppen und Organisationen führen, die sich nicht durch ein bestimmtes christliches Ziel oder Engagement auszeichnen. Dazu gehören insbesondere repräsentative Organisationen anderer Glaubensgemeinschaften oder interreligiöse Einrichtungen. Wenn auch in diesen Fällen eine strukturelle Beziehung nicht möglich oder angemessen sein würde, so handelt es sich doch um unverzichtbare Partner für den ÖRK bei seinen Bemühungen, den Dialog und die Zusammenarbeit mit Menschen anderer Religionen zu fördern, um tragfähige menschliche Gemeinschaften aufzubauen.

4.14Erwähnt werden mußauch die große Zahl von internationalen nichtstaatlichen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppierungen auf nationaler und internationaler Ebene sowie staatliche und zwischenstaatliche Institutionen, insbesondere die Vereinten Nationen und deren verschiedene Sonderorganisationen (bei denen der Rat schon seit langem beratenden Status hat). Die Herausforderungen der Globalisierung und die Bemühungen um eine auf Gerechtigkeit und Frieden aufgebaute Weltordnung machen enge Kontakte zwischen dem ÖRK und solchen Gruppen zu einer Notwendigkeit.

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