Oekumenische Treffen: Global
Oekumenische Treffen: Weltregional und national
Oekumenische Treffen: Basisbewegung
UN Konferenzen
NGO Begleitkonferenzen
Bibliographie
House of Studies
Kunstgalerie
Home
   

Richtlinien für das Teilen


Richtlinien für das Teilen

Aus der überströmenden Fülle seiner Liebe heraus hat Gott die Welt erschaffen und hat sie der ganzen Menschheit anvertraut mit dem Auftrag, als seine Haushalter mit ihr umzugehen und ihre Güter miteinander zu teilen. Als Anfänger der göttlichen Gabe des Lebens sind wir aufgerufen, die Welt mit Gottes Augen anzusehen und sie durch unsere Beweise der Liebe, des Miteinanderteilens und einer verantwortlichen Haushalterschaft zum Segen für alle werden zu lassen.

Unsere Sündhaftigkeit und Eigensucht aber haben uns dazu verleitet, Gottes Gaben zu mißbrauchen. Wir haben es zugelassen, daß zur Befriedigung der Interessen einiger weniger das Leben vieler beraubt worden ist. So sind ungerechte Strukturen entstanden, die die Mehrheit der Weltbevölkerung in dauerhafte Abhängigkeit und Armut gestürzt haben. Dies steht im Gegensatz zu Gottes Heilsplan.

Inmitten dieser mündigen Welt hat Gott sich selbst in Jesus Christus für das Leben der Welt hingegeben. Jesu entsagungsvolle Liebe am Kreuz weist uns den Weg zur Buße. Sie wird zur treibenden Kraft und zum Vorbild unseres Teilens.

Die Gegenwart des auferstandenen Herrn in der Kraft des heiligen Geistes verleiht uns die Fähigkeit, Schranken niederzureißen und Strukturen zu verändern, um den Weg für das Kommen des Reiches der Gerechtigkeit und des Friedens zu bereiten.

Das in Christus durch den heiligen Geist geschenkte Leben macht aus uns ein neues Volk - Glieder des einen Leibes, die einer des anderen Last tragen und das Leben miteinander teilen, welches Gott allen gegeben hat.

In der Feier des Abendmahls bringen wir Gott uns selbst und die ganze Schöpfung in ihrer Zerbrochenheit dar und erhalten sie neu zurück. Das Abendmahl sendet uns in die Welt zurück, damit wir Christi Leib sind, der für das Leben der Welt gebrochen und geteilt wird.

Als Erstling der neuen Menschheit ist die Kirche aufgerufen, mit allen Menschen solidarisch zu sein, insbesondere mit den Armen und den Unterdrückten, und die Wertsysteme dieser Welt in Frage zu stellen.

Im Vertrauen auf die Gnade Gottes in Jesus Christus, der allein uns durch den heiligen Geist in Stand setzt, den göttlichen Willen gehorsam zu erfüllen, verpflichten wir, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Weltkonsultation über ökumenisches Miteinanderteilen, die wir aus verschiedenen Teilen der Welt zusammengekommen sind, uns zu einer gemeinsamen Disziplin des Teilens mit dem ganzen Volk Gottes.

 

Bei allem Miteinanderteilen verpflichten wir uns:

1. Uns an einem vollständig neuen Wertsystem zu orientieren, das auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung beruht. Dieses System wird das reiche Potential der menschlichen Gemeinschaften und ihren kulturellen und spirituellen Beitrag wie auch die reichen Gaben der Natur anerkennen und respektieren. Es wird sich grundlegend von den Wertsystemen unterscheiden, auf denen die bestehende wirtschaftliche und politische Ordnung beruht und die die Ursachen darstellen für die heutigen Krisen und Gefahren, wie beispielsweise die nukleare Bedrohung oder die Umweltverschmutzung durch die Industrie.

2. Ein neues Verständnis vom Teilen zu entwickeln, in dem diejenigen, die aufgrund ihres Geschlechts oder Alters, aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen, aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder körperlichen Behinderung oder weil sie Heimatlose, Flüchtlinge, Asylsuchende oder Wanderarbeiter sind an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, ihren Platz als gleichberechtigte Partner im Zentrum aller Entscheidungsprozesse und Aktivitäten einnehmen.
Das heißt beispielsweise, daß
a) Kirchen, Rate und Netzwerke zu diesem Zweck nationale und regionale ökumenische Mechanismen schaffen.
b) in allen Entscheidungsgremien für eine adäquate Vertretung von Frauen und jungen Menschen gesorgt wird.

3. Uns im Kampf um Gerechtigkeit und Menschenwürde in Kirche und Gesellschaft mit den Armen und Unterdrückten und deren Organisationen zu identifizieren. Das bedeutet, daß wir jede Mitwirkung an Formen des Teilens, ob als Geber oder als Empfänger, ablehnen, die diesen Kampf untergraben.

4. Den Auftrag Gottes dadurch erfüllen, daß wir auf allen Ebenen die Ursachen und Strukturen der Ungerechtigkeit aufdecken, verurteilen und bekämpfen, die zur Ausbeutung der Reichtümer und der Menschen der Dritten Welt geführt und Armut sowie die Zerstörung der Schöpfung zur Flge haben. Gleichzeitig müssen wir auf eine neue wirtschaftliche und politische Ordnung hinarbeiten.
Das würde beispielsweise bedeuten, daß sich die Kirchen im Norden und im Süden verpflichten, die verschiedenen Anti-Atom-Bewegungen stärker zu unterstützen und sich an ihnen zu beteiligen und ihre Regierungen zu drängen, Atomtests sowie die Lagerung von Atommüll einzustellen. Es würde ferner bedeuten, daß sie zusammen mit den Betroffenen den Kampf gegen transnationale Konzerne, Militarisierung, ausländische Intervention und Besatzung aufnehmen.

5. Menschen zu befähigen, sich zu organisieren und sich als einzelne wie auch als Gemeinschaften ihrer Möglichkeiten und ihrer Macht bewußt zu werden und auf Eigenständigkeit und Selbstbestimmung hinzuarbeiten, die eine grundlegende Voraussetzung für Beziehungen der Gegenseitigkeit sind.

6. Einander offen als Freunde auf der Grundlage gemeinsamer Verpflichtung und gegenseitigen Vertrauens sowie von Bekennen und Vergeben gegenüber-zutreten, einander laufend über alle Pläne und Programme zu informieren und zur gegenseitigen Rechenschaftspflicht und Korrektur bereit sein.
Dies bedeutet zum Beispiel für die Beziehungen zwischen dem Süden und dem Norden die praktische Verwirklichung der gegenseitigen Rechenschafts-pflicht und wechselseitigen Mitwirkung in den Entscheidungsprozessen.

7. Einander unsere Bedürfnisse und Probleme mitteilen im Rahmen von Beziehungen, in denen es keine absoluten Geber und keine absoluten Empfänger mehr gibt, sondern wo jeder Bedürfnisse zu erfüllen und Gaben anzubieten hat, und dafür zu sorgen, daß in den Institutionen des Nordens die hierfür erforderlichen strukturellen Veränderungen vorgenommen werden.

8. Den ganzheitlichen Auftrag der Kirche im Gehorsam gegen Gottes befreienden Willen in Wort und Tat voranzubringen. Wir sind überzeugt, daß wir den Auftrag als Ganzes verzerren und auseinanderreißen, wenn wir uns lediglich auf einen Teil konzentrieren.

9. Uns am Ringen der Menschen um Gerechtigkeit zu beteiligen und auf diese Weise alle Schranken zwischen Religionen und Weltanschauungen, die heute die Menschheitsfamilie trennen, niederzureißen.
Das bedeutet zum Beispiel, daß Kirchen in Ost und West jede Gelegenheit nutzen, um den Entspannungsprozeß voranzubringen, und die so freigesetzten Mittel und Gaben für ökumenisches Miteinanderteilen verfügbar machen.

10. Uns den Aktivitäten internationaler Einrichtungen (wie z.B. des Welt-währungsfonds und der Weltbank) zu widersetzen, die die Völker des Südens ihrer Güter berauben, indem sie sich z.B. deren hart verdientes Kapital, das mehr wert ist als die ihnen zugehende Entwicklungshilfe, als Schulden zurückzahlen lassen und sie damit in dauerhafte Abhängigkeit bringen. Stattdessen wollen wir uns dafür einsetzen, daß der Reichtum und die Güter eines Landes, einschließlich des Reichtums seiner Kirchen, vollkommen neu und gerecht verteilt werden.

11. Gangbare Wege auszuarbeiten, wie Macht verlagert werden kann, damit die Prioritäten und Bedingungen für die Nutzung der Güter von denen festgelegt werden, denen sowohl die Güter als auch die Macht unrechtmäßig vorenthalten werden, z.B. Bewegungen für soziale Gerechtigkeit.
Das würde bedeuten, daß der Süden nicht unbedingt mehr wie heute üblich lediglich beratend an den Entscheidungsprozessen teilnimmt.

12. Das wechselseitige Engagement von Kirchen und Menschen im Süden, die zahlreiche gemeinsame Anliegen haben, zu erleichtern und zu fördern, beispielsweise durch ökumenisches Miteinanderteilen.

13. Ökumenisches Teilen auf allen Ebenen - national, regional und international - zu fördern und zu intensivieren.

 

Ökumenisches Miteinanderteilen wird auf allen drei Ebenen stattfinden:

  • auf Ortsebene
  • auf Landes- oder Regionalebene
  • auf internationaler oder interregionaler Ebene

Die Beziehungen zwischen Gremien auf den drei Ebenen des Miteinanderteilens sollten durch Flexibilität, Komplementarität und gegenseitige Machtteilung gekennzeichnet sein.

Auf allen Ebenen sollte das Ziel, innerhalb der nächsten fünf Jahre eine adäquate Vertretung von 50% Frauen und 20% jungen Menschen in allen Entscheidungsstrukturen zu verwirklichen, anerkannt und angestrebt werden.

Auf Ortsebene

Der Beschluß, von nationalen oder internationalen Einrichtungen Mittel anzunehmen, sollte soweit wie möglich von der Ortsgemeinde selbst gefaßt werden.

Dort, wo lokale ökumenische Gruppen und Ortskirchen nicht zusammenarbeiten und somit nicht miteinander teilen, sollte dieser Prozess durch Gemeinwesenarbeit gefördert und jede Anstrengung unternommen werden, um Gruppen und Kirchen zur ökumenischen Zusammenarbeit anzuregen.

Auf Landes- und Regionalebene

Dort, wo es keine nationalen oder regionalen Gremien für das Miteinanderteilen gibt, sollten sie umgehend eingerichtet werden. Ihnen können Vertreter der Kirchen, ökumenischer Gruppen wie auch der Basis- oder Volksbewegungen angehören, die sich dem Kampf für Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung des ganzen Menschen verschrieben haben.

Diese Gremien sollten ihre Zusammensetzung und Tätigkeit wie auch die Machtstrukturen innerhalb und außerhalb der Kirche einer ständigen kritischen Prüfung unterziehen, um ein gerechteres und ausgewogeneres Miteinanderteilen zu verwirklichen. Sie sollten Dialog und kritische Beurteilung erleichtern, indem sie Besuchsteams aus den Kirchen und Gruppen einladen, mit denen sie Güter und Gaben austauschen. Auf diese Weise unterstreichen sie die Gegenseitigkeit der Beziehung und begünstigen das Miteinanderteilen von Macht. Internationale Einrichtungen sollten sich an den Aktivitäten dieser Gremien nur dann beteiligen, wenn sie dazu aufgefordert wurden.

Es ist wichtig, die Öffentliche Meinung in allen unseren Ländern besser über die strukturellen Ursachen der weltwirtschaftlichen Unordnung zu informieren. Das kann z.B. an theologischen Ausbildungsstätten geschehen, indem man Augenzeugen aus Partnergruppen einlädt, von ihren Erfahrungen zu berichten.

Kontrollmechanismen für das Miteinanderteilen lassen sich am wirksamsten auf regionaler Ebene einrichten.

Auf internationaler Ebene

Ökumenisches Miteinanderteilen auf internationaler Ebene setzt eine gleichberechtigte Vertretung aller beteiligten Partner voraus. Sie sollten die nationalen/regionalen und die lokalen Entscheidungsgremien ergänzen, z.B. durch partnerschaftliche Programme und durch den Austausch aller erforderlichen, einschließlich der finanziellen, Informationen über Projekte/ Programme unter den beteiligten Partnern.

Alle Weltweiten Christlichen Gemeinschaften und ökumenischen Organisationen sind aufgerufen, sich aber den ÖRK, am ökumenischen Miteinanderteilen zu beteiligen und sich der Disziplin anzuschließen, die von dieser Konsultation verabschiedet werden wird.

Der ÖRK wird aufgefordert, seine bestehenden Programmeinheiten und Untereinheiten besser ineinander zu integrieren und die Weiterleitung seiner Mittel durch die bestehenden Kanäle soweit wie möglich zu koordinieren.

Es wird empfohlen, daß der ÖRK eine Möglichkeit vorsieht, um die Einhaltung der auf dieser Konsultation erarbeiteten Disziplin zu überprüfen.

 

Wir selbst werden diese Disziplin befolgen. Wir werden uns bemühen, ein Klima zu schaffen, in dem sie verstanden und angenommen werden kann. Wir werden unsere Kirchen, ihre Mitglieder und ihre Hilfswerke auffordern, sie sich zu eigen zu machen.

Wir werden darauf hinarbeiten, daß diese Disziplin auch außerhalb der ÖRK-Mitgliedschaft angenommen wird. Wir werden die Zusammenarbeit verweigern, wenn diese Disziplin ausdrücklich abgelehnt wird. Wir werden Gelegenheiten für neue ökumenische Partnerschaften schaffen, damit Kirchen unterschiedlicher Traditionen und Konescore einander bereichern können.

Wir werden einander in unserer Verpflichtung unterstützen. Wir werden voreinander und damit vor Gott in spätestens drei Jahren Rechenschaft darüber ablegen, wie wir unsere Worte in Taten umgesetzt haben.

zurück / höhere Ebene


powered by <wdss>

Sitemap | Druckversion | nach oben^


© 2017 by Stiftung Oekumene | eMail: ecunet@t-online.de