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Botschaft der Vollversammlung


Komm, Heiliger Geist

Botschaft der Vollversammlung

"Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heilend bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Wir sind als die Siebte Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen vom 7. bis 20. Februar 1991 in Canberra (Australien) zusammengekommen und grüßen alle Kirchen, Christen und Völkern der Welt.

Wir wurden von den Ureinwohnern dieses Landes, den Aborigines, willkommen geheißen. Ihre Auffassung vom Land als einem festen Bestandteil ihres Glaubens hat unser gemeinsames Nachdenken beeinflußt. Auch die Kirchen, die Regierung und das Volk Australiens haben uns einen freundlichen Empfang bereitet. Ihnen allen danken wir für ihre Gastfreundschaft und für die Hilfe, die sie uns in so vielfältiger Weise gewährt haben. Das Thema dieser Vollversammlung ist die Anrufung "Komm, Heiliger Geist - erneuere die ganze Schöpfung!" Im gemeinsamen Gottesdienst und Nachdenken sowie in unserem Miteinander auf der Vollversammlung haben wir versucht, die Hoffnungen und Herausforderungen unserer Zeit zu verstehen, indem wir uns intensiv mit den vier dazugehörigen Bitten beschäftigt haben:

Spender des Lebens des Lebens - erhalte deine Schöpfung! Geist der Wahrheit - mach uns frei! Geist der Einheit - versöhne dein Volk! Heiliger Geist - verwandle und heilige uns!

Wir freuen uns über die Vielfalt der Kulturen, Rassen und Traditionen, die auf dieser Vollversammlung vertreten sind, und danken Gott für die vielen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens und für das wachsende Bewußtsein der Einheit innerhalb dieser Vielfalt. Wir preisen Gott für die zahlreichen Entwicklungen, die sich in der Ökumene vor Ort beobachten lassen.

Die mannigfaltigen Formen des Gebets, der Spiritualität, der Theologie und des christlichen Engagements, die auf dieser Vollversammlung zum Ausdruck gekommen sind, haben uns beeindruckt, und wir möchten unsere Kirchen und die Menschen überall in der Welt an dieser Bereicherung teilhaben lassen. Die Frauen haben einen großen Anteil an dieser Vollversammlung gehabt, und wir legen allen Kirchen noch einmal die Ökumenische Dekade "Kirchen in Solidarität mit den Frauen" ans Herz. Wir unterstreichen die Bedeutung der ökumenischen Jugendbewegung und blicken dem für 1992 geplanten ökumenischen Weltjugendtreffen erwartungsvoll entgegen. Wir danken herzlich allen behinderten Menschen, die mit den ihnen eigenen Gaben auf dieser Vollversammlung Zeugnis abgelegt haben, und bitten die Kirchen nachdrücklich, für die uneingeschränkte und aktive Mitwirkung der Behinderten im Leben und in der Sendung der Kirche Sorge zu tragen.

Die Anwesenheit von Vertretern anderer Weltreligionen, die der Vollversammlung als Gäste beiwohnen, erinnert uns daran, wie unerläßlich es ist, das Bild Gottes in allen Menschen zu achten, einander als Nächste anzunehmen und unsere mit ihnen gemeinsam getragene Verantwortung für Gottes Schöpfung, einschließlich der Menschheit, zu betonen.

Wir sind in einer Zeit zusammengekommen, in der die Schöpfung und das Überleben der Menschheit in zunehmendem Maße bedroht sind. Nun, da wir erkennen, daß sich unsere empfindliche Mitwelt in einer Krise befindet, wird uns auch wieder bewußt, daß der Mensch nicht Herr über die Schöpfung ist, sondern Teil eines zusammenhängenden, interdependenten Ganzen, und wir wollen uns von neuem für einen verantwortlichen Umgang mit der ganzen Schöpfung einsetzen. Angesichts der Unterdrückung, unter der viele Urvölker, Minderheiten und Völker dunkler Hautfarbe leiden, verpflichten wir uns zur Unterstützung und Solidarität mit den Verstoßenen dieser Erde. Angesichts der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich verpflichten wir uns, für Gerechtigkeit für alle einzutreten. Angesichts der Konflikte, die verschiedene Teile der Welt und besonders die Golfregion beherrschen, rufen wir zu einer sofortigen Beendigung der Feindseligkeiten am Golf und zu einer gerechten Lösung der Konflikte in allen Ländern der Erde auf.

Noch immer gibt es viele Spaltungen in unserer Welt. Einige sind wirtschaftlicher und politischer Natur, und Menschen, besonders Frauen, Kinder, junge Menschen und Behinderte, leiden unter zerbrochenen Beziehungen und vielerlei Unrecht. Der Heilige Geist führt die Kirchen in Beziehungen, die von Liebe und gegenseitiger Verpflichtung geprägt sind. Der Geist ruft die Kirchen auf, sich stärker für die Verwirklichung sichtbarer Einheit und für eine wirksamere Mission einzusetzen. Wir bitten die Kirchen eindringlich, auf den Ruf des Geistes zu hören, indem sie neue und versöhnte Beziehungen zwischen den Völkern anstreben und die Gaben aller ihrer Glieder nutzen.

Auch wir Kirchen, die wir hier zur Beratung zusammengekommen sind, erfahren nach wie vor Zerrissenheit. Die Versöhnung zwischen den Kirchen bleibt unvollkommen. Die ökumenische Bewegung hat es uns jedoch ermöglicht, aus der Isolierung herauszukommen und zu einer verpflichteten Gemeinschaft zusammenzuwachsen: Wir fühlen uns, in Freud und Leid, immer stärker füreinander verantwortlich und suchen, geleitet vom Heiligen Geist, nach Wegen, um deutlicher zu zeigen, daß wir untereinander rechenschaftspflichtig sind wie wir auch unserem Herrn Rechenschaft schulden, der darum betete, daß wir "alle eins seien" (Joh 17,21). Gleichzeitig erkennen wir auch, daß die Fülle der Versöhnung ein Geschenk Gottes ist, welches wir uns nur in dem Maße zu eigen machen können, wie uns der Heilige Geist verwandelt und heiligt.

Gott und Menschheit sind durch das höchste Opfer versöhnt, das Christus mit seinem Kreuzestod auf sich nahm. Auch wir müssen zu höchsten Opfern bereit sein, wenn wir uns diese Versöhnung zu eigen machen und das Amt, das die Versöhnung predigt (2Kor 5,18), übernehmen wollen. Indem wir dieses Amt auf uns nehmen, werden wir zu Missionierenden - nicht, um Menschen und Völker zu bevormunden (wodurch sich die Mission allzu häufig ausgezeichnet hat), sondern um an Gottes Mission teilzuhaben, die darin besteht, die ganze Menschheit durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes in die Gemeinschaft mit Gott zu führen, in der wir unseren Glauben und unsere Güter und Gaben mit allen Menschen teilen.

Wir beten darum, daß der Geist Gottes die Christen zu einem neuen Verständnis von Gottes Herrschaft führe, damit wir fähig werden, die Haushalterschaft für das "Geheimnis des Evangeliums" (Eph 6,19) zu übernehmen. Wir beten darum, daß wir befähigt werden, die "Frucht des Geistes" hervorzubringen, damit wir Gottes Herrschaft der Liebe und Wahrheit, des Rechts und der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Versöhnung und des Friedens bezeugen.

Wir sind überzeugt, daß Bußfertigkeit, Vergebung durch Gott und Vergebung untereinander für ein solches Verständnis von Gottes Herrschaft auf Erden wie im Himmel wesentlich sind. Angesichts der raschen und radikalen Veränderungen, die sich in vielen Teilen der Welt vollziehen, verpflichten wir uns, die neuen Vorstellungen, die wir auf unserer ökumenischen Reise und während unseres Beisammenseins hier auf dieser Vollversammlung in bezug auf die Schuldenkrise, den Militarismus, das Ökosystem und den Rassismus gewonnen haben, konsequent in Taten umzusetzen.

Wir glauben, daß der Heilige Geist selbst dort Hoffnung schafft, wo alles gegen die Hoffnung zu sprechen scheint, und uns die Kraft zur Lösung der Konflikte schenkt, die menschliche Gemeinschaften spalten. Buße muß bei uns selbst anfangen, denn sogar auf dieser Vollversammlung haben wir es unterlassen, Verständnis, Einfühlungsvermögen und Liebe zu zeigen. Wir verpflichten uns zur unablässigen Buße und rufen alle Menschen auf, die gleiche Verpflichtung einzugehen und mit uns darum zu beten, daß die Kraft des Heiligen Geistes das Bild Gottes in uns erneuere, in unserem Sein als einzelne und als Gemeinschaft.

Auf unserem weiteren Weg zur Einheit der Kirche und der ganzen Menschheit unter der Herrschaft Gottes beten wir mit den Menschen überall auf der Welt:

Komm, Heiliger Geist. Komm, Heiliger Geist, du Lehrer der Demütigen und Richter der Hoffährtigen. Komm, du Hoffnung der Armen, du Erquickung der Ermatteten, du Rettung im Schiffbruch. Komm, aller Lebendigen herrlichster Schmuck, aller Sterblichen einziges Heil. Komm, Heiliger Geist, und erbarme dich unser. Erfülle unsere Niedrigkeit durch deine Kraft, begegne unserer Schwachheit mit deiner Gnaden Fülle. Komm, Heiliger Geist - erneuere die ganze Schöpfung!

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