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Gabe und Berufung


Die Einheit der Kirche als Koinonia:
Gabe und Berufung


Das folgende Dokument wurde vom Zentralausschuß des ÖRK in Auftrag gegeben, von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung vorbereitet und von der Sektion IV der Vollversammlung in Canberra beraten und überarbeitet. Die Vollversammlung hat es mit einigen weiteren Änderungen angenommen.

1.1. Nach der Heiligen Schrift ist es Gottes Wille, die ganze Schöpfung unter der Herrschaft Jesu Christi zusammenzufassen, in dem durch die Kraft des Heiligen Geistes alle in die Gemeinschaft mit Gott geführt werden sollen (Eph 1). Die Kirche ist die Vorwegnahme dieser Gemeinschaft mit Gott und miteinander. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes befähigen die eine Kirche, als Zeichen der Herrschaft Gottes und Dienerin der Versöhnung mit Gott zu leben, die für die ganze Schöpfung verheißen und gegeben worden ist. Die Kirche ist berufen, Menschen mit Christus in der Kraft des Heiligen Geistes zu vereinen, Gemeinschaft im Gebet und Handeln sichtbar zu machen und so auf die Fülle der Gemeinschaft mit Gott, mit der Menschheit und der ganzen Schöpfung in der Herrlichkeit des Gottesreiches hinzuweisen.

1.2. Die Kirche ist berufen, Versöhnung zu verkündigen und Heilung zu wirken, Trennungen aufgrund von Rasse, Geschlecht, Alter, Kultur und Hautfarbe zu überwinden und alle Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu führen. Sünde und ein nicht angemessenes Verständnis der unterschiedlichen Gaben des Geistes haben die Kirchen schmerzlich in sich selbst und voneinander getrennt. Ihre Ärgernis erregenden Trennungen beeinträchtigen die Glaubwürdigkeit ihres Zeugnisses vor der Welt in Gottesdienst und Dienst. Sie widersprechen nicht nur dem Zeugnis der Kirche, sondern auch deren Wesen selbst.

1.3. Wir erkennen in Dankbarkeit gegenüber Gott, daß in der ökumenischen Bewegung die Kirchen im gegenseitigen Verständnis, in theologischer Konvergenz, im gemeinsamen Leiden und gemeinsamen Gebet, im miteinander geteilten Zeugnis und Dienst gemeinsam auf dem Wege sind und aufeinander zugehen. Das hat es ihnen möglich gemacht festzustellen, daß bereits ein gewisses Maß an Einheit unter ihnen besteht. Dies ist wahrhaft eine Frucht der wirksamen Gegenwart des Heiligen Geistes unter allen, die an Christus Jesus glauben und um sichtbare Einheit heute ringen. Dennoch haben Kirchen es versäumt, aus dem Maß an Gemeinschaft, das sie bereits erfahren haben, und aus den bereits erzielten Übereinstimmungen Konsequenzen für ihr Leben zu ziehen. Sie haben sich damit zufriedengegeben, in der Trennung zu koexistieren.

 

2.1. Die Einheit der Kirche, zu der wir berufen sind, ist eine Koinonia, die gegeben ist und zum Ausdruck kommt im gemeinsamen Bekenntnis des apostolischen Glaubens, in einem gemeinsamen sakramentalen Leben, in das wir durch die eine Taufe eintreten und das in der einen eucharistischen Gemeinschaft miteinander gefeiert wird, in einem gemeinsamen Leben, in dem Glieder und Ämter gegenseitig anerkannt und versöhnt sind, und in einer gemeinsamen Sendung, in der allen Menschen das Evangelium von Gottes Gnade bezeugt und der ganzen Schöpfung gedient wird. Das Ziel der Suche nach voller Gemeinschaft ist erreicht, wenn alle Kirchen in den anderen die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche in ihrer Fülle erkennen können. Diese volle Gemeinschaft wird auf der lokalen wie auf der universalen Ebene in konziliaren Formen des Lebens und Handelns zum Ausdruck kommen. In einer solchen Gemeinschaft sind die Kirchen in allen Bereichen ihres Lebens auf allen Ebenen miteinander verbunden im Bekennen des einen Glaubens und im Zusammenwirken in Gottesdienst und Zeugnis, Beratung und Handeln.

2.2. Verschiedenheiten, die in theologischen Traditionen und unterschiedlichen kulturellen, ethnischen oder historischen Kontexten wurzeln, gehören zum Wesen von Gemeinschaft; diese Vielfalt ist jedoch nicht unbegrenzt. Sie ist beispielsweise nicht legitim, wenn sie es unmöglich macht, Jesus Christus als Gott und Heiland gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit (Hebr 13,8), das Heil und letztliche Bestimmung der Menschen gemäß dem Zeugnis der Heiligen Schrift und der Verkündigung der apostolischen Gemeinschaft gemeinsam zu bekennen. In der Gemeinschaft werden Verschiedenheiten zu einem harmonischen Ganzen zusammengeführt als Gaben des Heiligen Geistes, die zum Reichtum und zur Fülle der Kirche Gottes beitragen.

 

3.1. Auf dem Wege zur Verwirklichung voller Gemeinschaft ist vieles geschehen und vieles bleibt noch zu tun. In bilateralen und multilateralen Gesprächen haben Kirchen Übereinstimmungen erzielt, die bereits Früchte tragen und ihr gottesdienstliches und geistliches Leben und ihre Theologie erneuern. Indem sie miteinander konkrete Schritte tun, manifestieren und ermutigen die Kirchen die Bereicherung und Erneuerung christlichen Lebens dadurch, daß sie voneinander lernen, sich gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen und miteinander für Gottes Schöpfung sorgen.

3.2. Die Herausforderung in diesem Augenblick der ökumenischen Bewegung als einer versöhnenden und erneuernden Bewegung auf dem Wege zu voller sichtbarer Einheit besteht für die Siebte Vollversammlung des ÖRK darin, alle Kirchen aufzurufen:

  • auf der Grundlage des Lima-Dokuments gegenseitig die Taufe anzuerkennen;
  • auf die Anerkennung des apostolischen Glaubens zuzugehen, wie er durch das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel Im Leben und Zeugnis der anderen zum Ausdruck kommt;
  • auf der Grundlage der Konvergenz im Glauben im Blick auf Taufe, Eucharistie und Amt Formen eucharistischer Gastfreundschaft zu erwägen, wo immer dies möglich ist; dabei erkennen wir gern an, daß auch diejenigen, die diese Sakramente nicht üben, an der geistlichen Erfahrung des Lebens in Christus teilhaben;
  • auf eine gegenseitige Anerkennung der Ämter hinzuwirken;
  • in Worten und Taten sich darum zu bemühen, ein gemeinsames Zeugnis vom Evangelium in seiner Ganzheit abzulegen;
  • sich neu zu verpflichten, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewährung der Schöpfung zu arbeiten und dabei das Bemühen um sakramentale Gemeinschaft der Kirche enger mit dem Ringen um Gerechtigkeit und Frieden zu verbinden;
  • Kirchengemeinden und Gemeinschaften zu helfen, das Maß an Gemeinschaft, das bereits besteht, am Ort in geeigneten Formen zum Ausdruck zu bringen.

 

4.1. Der Heilige Geist, der die Koinonia schafft (2 Kor 13,13), erfüllt die, die noch immer getrennt sind, mit Hunger und Durst nach voller Gemeinschaft. Wir werden nicht ruhen, bis wir zusammenwachsen, gemäß dem Willen und Gebet Christi, daß die, die an ihn glauben, eins seien (Joh 17,21). Wenn wir für die Einheit beten, arbeiten und kämpfen, tröstet uns der Heilige Geist in unserem Schmerz, fordert uns heraus, wenn wir uns mit unserer Trennung abfinden, führt uns zur Buße und erfüllt uns mit Freude, wenn unsere Gemeinschaft wächst.

 

Kommission für Glauben und Kirchenverfassung
Ökumenischer Rat der Kirchen
150 Route de Ferney
CH 1211 Geneva 2
tel. (+41 22) 791 6338, fax (+41 22) 791 0361

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