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Vorwort


Der konziliare Prozeß der christlichen Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung kann ohne Zweifel zu den zentralen ökumenischen Initiativen der letzten fünfzehn Jahre gerechnet werden.

Es waren vor allem zwei Impulse, die den gemeinsamen ökumenischen Lernprozeß zu den globalen Überlebensfragen der Menschheit in Gang gebracht haben.

Auf der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) 1983 in Vancouver wurde von den Delegierten der Kirchen aus der DDR die Idee eines weltweiten Friedenskonzils eingebracht. Unter Berücksichtigung verschiedener Schwierigkeiten formulierte die Vollversammlung des ÖRK dann: "Die Mitgliedskirchen in einen konziliaren Prozeß gegenseitiger Verpflichtung (Bund) für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzubinden, sollte einen Arbeitsschwerpunkt der ÖRK-Programme bilden."

Zwei Jahre später, auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 1985 in Düsseldorf, verlas der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker einen Aufruf an die Kirchen mit der Bitte, ein ökumenisches Konzil des Friedens einzuberufen. Ziel sollte sein, daß die Kirchen angesichts der Überlebensfragen "in gemeinsamer Verantwortung ein Wort sagen, daß die Menschheit nicht überhören kann".

Trotz der Tatsache, daß mit der Idee eines Friedenskonzils und mit der Anregung zu einem konziliaren Prozeß unterschiedliche Akzente gesetzt waren, entfalteten diese beiden Impulse eine kreative Dynamik. Es setzte eine intensive Diskussion in den Kirchen ein, zahlreiche Tagungen und Veröffentlichungen befaßten sich mit dem Thema, Gruppen und Arbeitskreise wurden gegründet.

Mit dem Beschluß des ÖRK, eine Weltkonvokation für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung 1990 in Seoul einzuberufen, und der Entscheidung der europäischen Kirchen, 1989 eine gemeinsame Ökumenische Versammlung in Basel abzuhalten, waren schließlich bedeutende Wegmarken gesetzt, die bald auch bei den nationalen Kirchen Wirkung zeigten. Insbesondere in den beiden deutschen Staaten begann ein intensiver Vorbereitungsprozeß, der in der Öffentlichkeit vor allem durch die Ökumenischen Versammlungen in der DDR 1988/89 (Magdeburg, Dresden) und durch die Ökumenischen Foren in Königstein und Stuttgart 1988 wahrgenommen wurde.

Neben diesen offiziellen Versammlungen erhielt der konziliare Prozeß seine Vitalität jedoch vor allem durch die vielfältigen Initiativen vor Ort - durch Gesprächskreise in den Gemeinden, Pilgerwege, ökumenische Netzwerke, regionale Versammlungen.

Das Zusammenkommen zu gemeinsamen Gebet, zu Beratung, Urteilsbildung und Entscheidungsfindung stand stets im Zentrum des konziliaren Prozesses. Die Zielperspektive war dabei, die Wahrheit des Evangeliums in der Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen globalen Bedrohungen des (Über-)Lebens zu bezeugen und durch die gewonnenen Erkenntnisse und eingegangenen Selbstverpflichtungen zur kirchlichen wie gesellschaftlichen Umkehr und Erneuerung beizutragen.

Die grenzüberschreitende Kraft dieses ökumenischen Lernprozesses wurde vor allem bei der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Basel sichtbar - und sollte wenige Monate später auch politisch wirklich werden. Demgegenüber fielen die Reaktionen auf die Weltversammlung in Seoul äußerst unterschiedlich aus: von positiver Würdigung bis zu bitterer Enttäuschung. Seoul wurde nicht zu dem erhofften Höhepunkt an Übereinstimmung zwischen den christlichen Kirchen in sozialethischen Fragen; dafür erwiesen sich die Differenzen auf Weltebene noch als zu groß.

Nach der Weltversammlung in Seoul begann es still zu werden um den konziliaren Prozeß. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts hatten sich die Rahmenbedingungen der Weltgesellschaft einschneidend verändert und im politischen wie kirchlichen Kontext standen nunmehr andere Fragen und Probleme an zentraler Stelle auf der Tagesordnung. Ist der konziliare Prozeß in eine Krise geraten oder gar am Ende, so fragten viele Engagierte Anfang der 90er Jahre.

Mit der Entscheidung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) eine Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz einzuberufen, wurde die zweite Phase des konziliaren Prozesses eingeläutet. Im Zentrum stand angesichts der politischen, ökonomischen, ethnischen und kirchlichen Spaltungen auf dem europäischen Kontinent nunmehr das Leitwort der Versöhnung. Eine deutsche Vorbereitungsversammlung in Erfurt 1996 widmete sich vor allem den Unversöhntheiten im eigenen Land. Die Versammlung in Graz 1997 mit 700 Delegierten und über 10.000 Teilnehmern stand ganz im Zeichen der Annäherung zwischen den Kirchen im neuen Europa; dabei wurden auch Chancen und Grenzen der Ökumene vor allem im Dialog mit der Orthodoxie sichtbar.

Bei allen Schwierigkeiten, die der ökumenische Lernprozeß durchlaufen hat, weist das bisher Erreichte auf die bleibende Notwendigkeit des konziliaren Prozesses und seiner Grundanliegen hin. Nur der institutionalisierte fortwährende Dialog auf allen kirchlichen Ebenen kann zu größerer Annäherung und mehr Übereinstimmung beitragen.

Die vorliegende Bibliographie möchte einen Beitrag zur Diskussion um die Anliegen des Konziliaren Prozesses leisten, indem sie dem Benutzer und der Benutzerin eine Übersicht über die bisher im deutschsprachigen Raum erschienenen Publikationen an die Hand gibt.

Die Bibliographie umfaßt 6 mit römischen Zahlen gekennzeichnete Abschnitte. Unter I. "Dokumente und Dokumentationen" sind die Dokumente und Abschlußerklärungen der großen Versammlungen im konziliaren Prozeß (Stuttgart / Dresden, Basel, Seoul, Erfurt, Graz), Dokumentationen von Ökumenischen Regionalversammlungen und Arbeitstagungen sowie weitere Texte (Eingaben, Öffentliche Erklärungen) mit dokumentarischen Charakter zu finden. Unter II. werden "Monographien und Sammelwerke" aufgelistet. Der den Großteil der Bibliographie ausmachende Abschnitt III. führt alle "Aufsätze, Berichte und Kommentare" auf, die in Zeitschriften zum Thema des konziliaren Prozesses erschienen sind. Hier sind ebenso die Einzelaufsätze aus den Sammelwerken aufgelistet wie auch Berichte und Artikel, die der "grauen Literatur" zuzurechnen sind. Unter IV. werden die Zeitschriften aufgeführt, die ein "Themenheft" oder eine "Sonderausgabe" zum konziliaren Prozeß herausgebracht haben. Im Abschnitt V. sind "Arbeitshilfen und Arbeitsmaterialien" bibliographiert, die insbesondere für Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen eine Einführung in die Thematik des konziliaren Prozesses anbieten. Der Punkt VI. "Fremdsprachige Literatur" stellt einen kleinen Ausschnitt aus der umfangreichen fremdsprachigen Literatur zum konziliaren Prozeß dar, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Im Anhang werden die bibliographierten Zeitschriften und Zeitungen aufgelistet.

Zur Art und Weise der Bibliographierung: Die einzelnen Angaben sind jeweils alphabetisch nach dem Nachnamen des Autors bzw. nach dem Namen der Institution oder der Zeitschrift sortiert. Sammelwerke sind bei Herausgeberschaft unter den Namen der Herausgeber zu finden; Veröffentlichungen von Institutionen, Zeitschriften und Sachtitel sind alphabetisch nach dem ersten Wort sortiert (ohne Artikel). Die bei der Literatursichtung und Bibliographierung entstehenden üblichen Abgrenzungsprobleme waren auch für die vorliegende Bibliographie nicht vollständig zu lösen. Wir hoffen jedoch, daß der Informationswert, den diese Bibliographie erreicht, die einzelnen Mängel überwiegt.

Für die nächste Ausgabe der Bibliographie wird eine detailliertere Einteilung der einzelnen Literaturangaben nach zentralen Stichwörtern vorgenommen, damit die Suche nach Texten, z.B. zu einer bestimmten Ökumenischen Versammlung, erleichtert wird.

Neuerscheinungen zum konziliaren Prozeß der christlichen Kirchen werden in regelmäßigen Abständen in die Bibliographie aufgenommen. Für Anregungen und Hinweise auf noch nicht aufgenommene Publikationen sind wir sehr dankbar.

Christoph Kothes

© Lehrstuhl für Systematische Theologie und Theologische Friedensforschung am Fachbereich 1 der Universität-Gesamthochschule Siegen
Prof. Dr. Heinz-Günther Stobbe und Dipl. Theol Christoph Kothes - Siegen / Münster, August 1998

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